O sink hernieder, Macht des Schicksals: Eva-Maria Westbroek (Leonora), James Creswell (Marchese) und Chor in Amsterdam; Foto: Monika Rittershaus
Der Tod und die Mädchen
Der Mörder fährt Dreirad. Wie ein Teufel kurvt Sparafucile mitten durch die ausgelassene Karnevalsgesellschaft, die sich auf den Stufen eines Treppenrondells vergnügt, in krachend komischen Kostümen (Jorge Jara) und mit FSK-verdächtigen Videos aus Amors Reich (Sebastian Eskildsen). Grand Guignol. Alles außer Rand, Band – und Verstand. Mittendrin der Narr, Rigoletto, buchstäblich entfesselt (mit betörendem Bariton David Kempster).
Noch zu Beginn, während des düsteren, mit verminderten Akkorden prophetisch beschwerten andante sostenuto, das Verdi kaum zufällig in die Schicksalstonart c-Moll fasste, sehen wir ihn ans Prokrustesbett geschmiedet; sehen, wie er jene traumatischen Ereignisse, die ihn erst in die Irrenanstalt brachten, noch mal und noch mal erleidet. Jede Arie, jedes Duett, Terzett, Quartett beherrscht er auswendig. Und vor allem das schmähliche non lieto fine dieser Oper. Endloses Erschrecken.
Aber auch Commedia dell’arte, die eben umschlägt, von der Lust an der Verstellung ins realorgiastische Bacchanal, von schrankenloser Begierde in tödliches Begehren, vom Traum in Realität und zurück. Während Paolo Carignani die Kongelige Kapel zu immer schnelleren Kreiseln animiert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Versehrte, Verstörte und Verzückte laufen durch diese kranke Welt, die sich der Regisseur David Bösch wohl als eine nach ihrem Untergang denkt. Wasteland, Mad Max. Die üblichen Ölfässer und verdorrten Büsche. Ständig müssen sich die Menschen an den Kopf fassen, vor allem (und arg zwanghaft) der Herrscher dieses dunklen Landes. Der Isländer Tómas Tómasson macht ihn...
Opernhäuser zeigen Märchen und Legenden, aber sie fabrizieren sie auch. Nur selten gelingt es, dogmatisch verfestigte, eindimensionale Deutungsmuster aufzulösen. Misha Aster hat es jetzt geschafft. Nach zehnjähriger Wühlarbeit in Archiven legt er einen Band vor, der nicht nur akribisch recherchiert ist, sondern auch unterhaltsam, ja beinahe spannend – und das Gros...
Wenn uns die (Musik-)Geschichte eines lehrt, dann dieses: Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Auch all jene Musenkinder, die der Wiedereröffnung der Berliner Lindenoper sehnsuchtsvoll entgegengefiebert hatten, sahen sich, nolens volens, mit dieser Einsicht konfrontiert. Denn in die berechtigte Freude über die Tatsache, dass sieben Jahre im Charlottenburger...
