«Der schwierigste Opernjob in Deutschland»
Als sie 2004 aus Kiel an die Deutsche Oper Berlin wechselte, schwebte über dem einst legendären Haus der Ruf einer Krisenstätte: Christian Thielemann war im Zorn abgetreten; das Orchester schmollte, weil es sich finanziell benachteiligt fühlte; das Repertoire war in beklagenswertem Zustand; die Politik brütete über Fusionsplänen.
Und dann hatte Kirsten Harms auch noch Pech: Auf dem Höhepunkt des Streits um die Mohammed-Karikaturen erklärte das Berliner Landeskriminalamt 2006 Hans Neuenfels’ «Idomeneo»-Inszenierung zu einem Sicherheitsrisiko, worauf die Intendantin die Produktion absetzte – und als Feindin der Kunstfreiheit angegriffen wurde. Auch mit Chefregisseur, Musikdirektor und manch eigener Regiearbeit hatte sie wenig Glück. In der Summe freilich konnte die 54-Jährige für Berlins größtes Opernhaus viel erreichen. Albrecht Thiemann führte ein Gespräch über Höhen und Tiefen einer komplizierten Intendanz.
Frau Harms, im Juli war für Sie an der Deutschen Oper Schluss. Hätten Sie gern weitergemacht?
Ja, sehr gern.
Warum haben Sie nicht um eine Verlängerung Ihres Vertrags gekämpft?
Warum sollte ich? Die Deutsche Oper Berlin steht wieder hoch im Kurs – bei den Künstlern wie beim ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Interview II, Seite 56
von Albrecht Thiemann
Seit Peter Gelb vor fünf Jahren die Leitung der Metropolitan Opera übernommen hat, ist dort auf szenischem Gebiet eine vorsichtige Annäherung an die Standards des europäischen Musiktheaters zu konstatieren. «Vorsichtig» bedeutet: Die Inszenierungen begnügen sich nicht damit, den auftretenden Sänger-Stars einen dekorativen Rahmen zu bieten, wagen die Stücke...
Würde man diese Oper spielen, hätte sie nicht ein gewisser Franz Liszt komponiert? Unwahrscheinlich. Obwohl «Don Sanche» durchaus Meriten hat. Das Werk wurde bislang dreimal inszeniert, zuletzt 1986 in Bayreuth zum 100. Todestag des Komponisten. Nun war «Don Sanche» anlässlich seines 200. Geburtstags, nach einer ersten Aufführung im ungarischen Miskolc, in der...
Als Ludwig XIV. ab 1661 ein altes Jagdschloss seines Vaters in eher sumpfig-fiebrigem Gelände zur Residenz ausbauen ließ, hatte das zwei Gründe. Er wollte, fern von Paris, den aufständischen Adel domestizieren, den er an den neuen Hof band. Und er wollte sich eine Kulisse seiner Herrschaft schaffen, die seinen Ruhm inszenieren, spiegeln, steigern und vor allem...
