Der Schrei nach Freiheit

Die Opéra national de Lyon bringt «Otages» von Sebastian Rivas heraus

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Eine Frau. Wenn man so will: eine ganz gewöhnliche Frau. 53 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, die aus dem Gröbsten, wie es so lapidar heißt, heraus sind, sowie ein Job, der zwar kaum die kühnsten Träume erfüllt, aber auch nicht so miserabel ist, dass man verzweifeln müsste. Immerhin ist Sylvie Meyer Supervisorin und als solche zuständig für die Produktionskontrolle, wenn auch nur in einem Unternehmen, das Gummi verarbeitet. Keine Insel der Glückseligen. Aber auch nicht die Hölle auf Erden. Sylvie könnte einiger -maßen zufrieden sein mit ihrem Leben.

Wären da nicht diese zwei Wunden, die sich einfach nicht verschließen wollen. Vor einem Jahr hat ihr Ehegatte sie verlassen, scheinbar grundlos, einfach so. Damit kann man umgehen, so toll war der Entwichene auch nicht. Nicht mal geweint hat sie seinetwegen. Und auch zur Wut reicht es nicht. Warum auch. Ist ja nur eine kleine Schürfung auf der Haut. Tiefer liegt die zweite Wunde. Als junge Frau ist Sylvie vergewaltigt worden, von einem Mann, der sich als väterlicher Freund ausgab, bevor er zum Scheusal wurde. Aus dieser «Scheißtraurigkeit» kommt sie nicht heraus. Richtig schlimm wird es in dem Moment, als Victor Andrieu, ihr Boss in ...

ZUKUNFTSMUSIK
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.

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Opernwelt März 2024
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Virginie Germstein

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