Königstreffen
Irgendwann treibt es sie fast alle dahin, die im deutsch-lyrischen Fach sozialisierten Taminos und Belmontes. Als ob der Lohengrin eine natürliche Karrierefolge wäre, so trudeln früh die Angebote ein für den angeblich «italienischsten» aller Wagner-Helden. Daniel Behle hat den Gralsritter seit einiger Zeit im Repertoire und ihn zuletzt in Amsterdam (sehr gut) gesungen. Doch diesen Tenor treibt es weiter. Auf seiner 19. Solo-CD ist er erstmals als Tannhäuser zu erleben, mit der «Rom-Erzählung». Zehn Minuten Introspektion, alles ungewohnt zurückgenommen, intim und filigran.
Das Dokument eines zutiefst Zerknirschten, keines schwermetalligen Egomanen.
Das mag auch irritieren. Doch zugleich ist es das Dokument eines intelligenten Stimmbesitzers: Behle holt den Tannhäuser zu sich heran, versucht sich nicht, forcierend nach ihm zu strecken. Demnächst wird er die Partie auch auf der Bühne, nein: nicht stemmen, sondern tatsächlich gestalten, so viel darf nach diesem ersten Eindruck erwartet werden. Seine lyrische Vergangenheit (und Gegenwart!) spielt Behle in Lohengrins klug dosierter «Gralserzählung», vor allem in Stolzings Preislied aus. Und wer nun denkt, die Scheibe werde zum plumpen ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Medien, Seite 24
von Markus Thiel
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Woran sollten sie sich auch sonst festhalten? Die Gesellschaft ist nur maskierte Masse in Benedict Andrews Inszenierung von Tschaikowskys «Pique Dame», das Fest in...
Die romantische Oper lebt, auch in ihren letzten Exemplaren, vom Dreiklang aus Natur, Liebe und Tod. Streicht man einen dieser Topoi, wird es schwierig; streicht man zwei, ist es nicht mehr romantisch; streicht man drei, haben wir es mit schlechtem Regietheater zu tun. Die neue Berliner «Rusalka» kennt weder Natur noch Liebe; sie bietet lediglich Surrogate an. Im...
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