Temporeich
Vom Märchen zur Satire ist es oft nur ein Trippelschritt: Als der russische Theaterregisseur Wsewolod Meyerhold die Fabel «Die Liebe zu den drei Orangen» in die Finger bekam, ein quirliges Commedia-dell’Arte-Stück von Carlo Gozzi aus dem 18. Jahrhundert, erkannte er darin eine nachgerade perfekte Vorlage, um seine Idee vom antirealistischen Theater zu erproben.
Meyerhold spannte eine Kommentarebene um die eigentliche Märchenhandlung – eine Gruppe von Theaterbesuchern streitet, welches Genre das beste sei: Komödie oder Tragödie – und brach damit nicht nur die Illusion der Fantasiewelt auf, sondern nahm gleich den gesamten Theaterbetrieb aufs Korn.
Dem jungen Sergej Prokofjew, gerade in die USA emigriert, gefiel das. Er formte aus dem Stoff eine Oper, die sich, damit ganz im Trend der Zeit liegend, vom nachromantischen Musiktheater verabschiedete und hin beziehungsweise zurück zur Opera buffa bewegte – als Vehikel, um die Operntradition als solche zu verhohnepipeln.
Bei Anna Bernreitner, die 2022 den Götz-Friedrich-Preis für Nachwuchsförderung gewann, wird daraus ein farbenprächtiges Märchen mit satirischen Anklängen, wobei letztere nur dezent zu vernehmen sind. Nach ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Werner Kopfmüller
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