Der Protagonist

Kaum jemand entspricht dem Bild des charismatischen Pultherrschers so sehr wie er. Dahinter aber verbirgt sich eine vehemente Musikalität. Nun wird Maestro Riccardo Muti 80

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Nicht Kaiser und nicht König will ich sein, aber so dastehen und dirigieren.» Das soll der neunjährige Richard Wagner gerufen haben, als er Carl Maria von Weber am Pult der Dresdner Oper erlebte. Hätte Wagner in den modern times wählen müssen, so hätte er keinen besseren Darsteller für die Rolle finden können als Riccardo Muti. Das  Bild oder besser: jene Imago des Pultherrschers, die Elias Canetti in «Masse und Macht» analysierte, hat der am 28. Juli 1941 in Neapel geborene Maestro so markant geprägt wie vor ihm Arturo Toscanini, als dessen Wiedergänger er gerühmt wurde.

Schon physiognomisch entspricht Muti dem Musterbild eines Musikdarstellers und Generalissimus: mit seiner Mähne dunkler Haare, tief liegenden dunklen Augen, vollen Lippen und einem Profil, das an das Bild des Herzogs von Urbino, gemalt von Piero della Francesca, erinnert. Trat er früher auf wie ein Energiebündel, federnd und gespannt, so schreitet er heute gemessen und langsam aufs Podium. Dem Publikum gewährt er einen strengen, einschüchternden Blick. Nichts ist er weniger als Charmeur. Zu spüren ist eine innere Spannung, das Feuer einer vehementen Musikalität, zu sehen das Filigran von fein ziselierten ...

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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 56
von Jürgen Kesting

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