Apropos... Nostalgie

Die Komponistin SARA GLOJNARIĆ hat nach ihrem Umzug von Kroatien nach Deutschland damit aufgehört, ihre Identität als queere Frau von ihrer Kunst zu trennen. Ihre Werke sind somit auch immer als audiovisueller Beitrag zu aktuellen Debatten zu verstehen, sie schaffen auf diskursive Weise eine Verbindung zwischen klassischer Musik und Popkultur

Frau Glojnarić, in Ihrer jüngsten Komposition #artefacts, die im Dezember vom «WDR» aufgezeichnet wurde, widmen Sie sich der Nostalgie. Ist das nicht ein plattgetretenes Thema?
Nun, in den 1970er-Jahren war Nostalgie wie der Tritonus im Barock: Sich damit auseinanderzusetzen, mit allem, was an das «bürgerliche Erbe» erinnert hat, ging gar nicht. Das hat sich sehr geändert. Die amerikanische Schriftstellerin Fran Lebowitz sagte kürzlich, heutzutage bade alles in Nostalgie, es gebe kein Bedürfnis mehr, etwas Neues zu machen.

Von einer Person, die selbst fast schon ein Relikt ist, finde ich das als Statement sehr witzig – doch ihre Kritik stimmt aus meiner Sicht nur zum Teil. Im Grunde ist doch die Arbeit an uns selbst schon eine nostalgische. Wir setzen uns mit dem auseinander, was wir kennen, und stellen es in einen neuen Kontext – so entsteht immer etwas Neues. Argumente, dass man sich nicht mit Nostalgie beschäftigen sollte, finde ich daher, ehrlich gesagt, sehr flach.

Warum ist das Thema aus Ihrer Sicht gerade jetzt wichtig?
Ich beschäftige mich ohnehin viel mit Popkultur, wo Nostalgie eine sehr große Bedeutung hat. Aktuell befinden wir uns dort in einer Zeit der großen ...

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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Hannah Schmidt

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