Schmerzensreich schön

Lise Davidsen betört mit Arien und Liedern von Beethoven, Verdi, Mascagni und Wagner, butterweich begleitet vom London Philharmonic Orchestra unter Mark Elder

Opernwelt - Logo

Drei Frauen. Vereint im Leiden an der Welt, an der Liebe, an den Männern. Sämtlich suchen sie ihr Seelenheil im sehnenden, flehenden Gebet, für das Giuseppe Verdi und Pietro Mascagni ihnen die ergreifendste Musik auf die Stimmbänder geschrieben haben; eine Musik, die in dünner Höhenluft schwelgt und schwelt, und das, wenn man so will, chromatisch ansteigend.

Verdis Desdemona schwingt sich in ihrem «Ave Maria» hinauf bis zum zweigestrichenen as, Mascagnis Santuzza schwebt in ihrer bebenden, zwischen Moll und Dur changierenden Romanze aus «Cavalleria rusticana» einen Hauch höher noch zum a, Leonora strebt, um göttlichen Frieden zu erbitten, im B-Dur-Lamento aus dem vierten Akt von «La forza del destino» sogar bis zum b.

Nun sind Spitzentöne beileibe nicht alles. Aber sie geben, zumal wenn sie weniger zelebriert werden, als vielmehr den Seelenkern der Protagonistin freilegen, Auskunft über die Stimme, ihre Konsistenz, ihre Variabilität und Dehnbarkeit, ihre Fähigkeit zu farblichen wie dynamischen Nuancen. Lise Davidsen hat, was das angeht, seit ihrem doch recht durchwachsenen Debütalbum mit den «Vier letzten Liedern» von Richard Strauss einen gewaltigen Schritt gemacht. Ihr Sopran ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 33
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Folklorefrei

Es ist eine ruppige Romantik, die Laurence Equilbey am Pult des Insula orchestra in der deutschesten Oper des frühen 19. Jahrhunderts aufspürt. Ihre Tempi stürmen und drängen, die Artikulation ist forsch akzentuiert. Und die seinerzeit so kühnen Klangfarben sind in schärfster Deutlichkeit herausgearbeitet. Carl Maria von Weber widerfährt so eine ganz neue...

Immer am Anfang

Frau Lyniv, ist der «Fliegende Holländer» das richtige Stück, um in Bayreuth anzufangen?
Er wurde bekanntlich nicht für Bayreuth komponiert. Andererseits hat Wagner die Partitur sehr geschätzt, sonst hätte er eine Aufführung dort nicht genehmigt. Das Werk war ihm wichtig, er hat es revidiert und ist immer wieder darauf zurückgekommen. Die Partitur hat ihn nicht...

Was kommt... Juli 2021

Forschersinn
Seine Liebe gilt der Alten Musik,  ihrer (womöglich) wahren Gestalt. Seit dem Tag im Jahr 1974, als Jordi Savall mit Freunden das Ensemble Hespèrion XX gründete (das inzwischen Hespèrion XXI heißt), sucht der katalanische Musikwissenschafter und Gambist nach den Urklängen, nach dem Historisch-Authentischen. Am 1. August feiert er seinen 80. Geburtstag....