Schmerzensreich schön
Drei Frauen. Vereint im Leiden an der Welt, an der Liebe, an den Männern. Sämtlich suchen sie ihr Seelenheil im sehnenden, flehenden Gebet, für das Giuseppe Verdi und Pietro Mascagni ihnen die ergreifendste Musik auf die Stimmbänder geschrieben haben; eine Musik, die in dünner Höhenluft schwelgt und schwelt, und das, wenn man so will, chromatisch ansteigend.
Verdis Desdemona schwingt sich in ihrem «Ave Maria» hinauf bis zum zweigestrichenen as, Mascagnis Santuzza schwebt in ihrer bebenden, zwischen Moll und Dur changierenden Romanze aus «Cavalleria rusticana» einen Hauch höher noch zum a, Leonora strebt, um göttlichen Frieden zu erbitten, im B-Dur-Lamento aus dem vierten Akt von «La forza del destino» sogar bis zum b.
Nun sind Spitzentöne beileibe nicht alles. Aber sie geben, zumal wenn sie weniger zelebriert werden, als vielmehr den Seelenkern der Protagonistin freilegen, Auskunft über die Stimme, ihre Konsistenz, ihre Variabilität und Dehnbarkeit, ihre Fähigkeit zu farblichen wie dynamischen Nuancen. Lise Davidsen hat, was das angeht, seit ihrem doch recht durchwachsenen Debütalbum mit den «Vier letzten Liedern» von Richard Strauss einen gewaltigen Schritt gemacht. Ihr Sopran ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 33
von Jürgen Otten
Die Causa ist überliefert. Eine junge Frau aus bürgerlichem Hause. Nach dem Tod des Vaters gerät sie in die Fänge ihrer sadistisch veranlagten Schwägerin. Durch diese dauerhaft gedemütigt und von unsichtbaren Dämonen getrieben, legt sie in ihrer Heimatstadt Tangermünde ein Feuer – mit unübersehbaren Folgen. In seiner Novelle «Grete Minde» greift Theodor Fontane die...
Üblicherweise sorgt der ausgeweidete, mit Augen- und Nasenhöhlen sowie spitzen Zahnreihen versehene, von Kerzen illuminierte Kürbiskopf für Grusel. Zumal zu Halloween. Dass das massive Gemüse dem Schrecken aber umgekehrt auch Einhalt zu gebieten vermag, lehrt uns das Album «Heinrich Albert’s Pumpkin Hut» von Dorothee Mields und dem Hathor Consort unter Romina...
Giusto Fer(di)nando Tenducci (ca. 1735–1790) war ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Kastraten ihre Libido und veränderte Körperfettverteilung durch Testosteronsubstitution wieder normalisieren konnten, so dass die zu einem vokalen Wipfel-Dasein Erkorenen sich auch ein bewegtes erotisches Leben nicht versagen mussten. Zumal das Messerchen ja «bloß» die Hoden...
