Der Mensch im Tier
Es ist ein heiteres Stück mit einem traurigen Ende, und ich selbst habe meinen Platz an diesem traurigen Ende.» So hat Leoš Janáček «Die Abenteuer der Füchsin Schlaukopf» – dies der originale Titel seiner 1924 in Brünn uraufgeführten Oper – charakterisiert, in der sich Tiere wie Menschen in einem ewigen Kreislauf von Leben und Tod, Werden und Vergehen begegnen. Die Menschen geraten schlafend, träumend oder betrunken in die Tierwelt, die Tiere selbst – ob Fuchs, Vogel oder Insekt – sind mal menschlich, mal wieder ganz Tier.
Der Regisseurin Magdalena Fuchsberger und ihrer phantasievollen Ausstatterin Dorothee Curio ist es in Münster auf gleichermaßen magische wie nachdenkliche Weise gelungen, diese Metamorphose von Spiel und Ernst, Zartheit und Gewalttätigkeit, Comic und Mysterium ohne Sentimentalisierung oder Verniedlichung zu zeigen.
Curio setzt Räume auf die unablässig kreisende Drehbühne, Natur- und Menschenwelt, Wald und Wohnung lösen einander in raschem Wechsel ab und gehen ineinander über. Zum hier bereits traurigen Beginn sehen wir, wie als Ärzte und Krankenschwestern verkleidete Tiere den an einem Trauma leidenden, vielleicht sogar sterbenden Förster umschwirren. Von einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Uwe Schweikert
Im Konzertsaal der Kölner Musikhochschule herrscht rege, summende Betriebsamkeit. Während das Publikum nach und nach den Saal betritt, sitzt das Orchester bereits auf der Bühne hinter einem noch schief gespannten Gazevorhang, davor flitzen Menschen auf der Bühne hin und her. Dann krächzt aus den Lautsprechern eine Ansage. Eine weibliche Stimme kündigt zunächst an,...
Während die «Poèmes pour Mi» von 1936, die Olivier Messiaen seiner ersten Ehefrau Claire Delbos widmete, in den Konzertsälen immer wieder auftauchen, hört man den zwei Jahre später vollendeten Liederzyklus «Chants de terre et de ciel» doch eher selten, obwohl dieser nicht nur inhaltlich, sondern auch in seinem Klangbild erkennbar an die «Poèmes» anknüpft....
Am Tag, da in Rom der linksgerichtete Papst Franziskus zu Grabe gebracht wurde, fand am Theater Bielefeld die Premiere von Bohuslav Martinůs «Greek Passion» statt – ein Stück, das nach einem real praktizierten, radikal sozial verstandenen Christentum fragt, wie es auch der Verstorbene in Erinnerung bringen wollte. Der geheime Draht zwischen Rom und Bielefeld muss...
