Der Massenmörder als Tenor
Ohne finstere Gesellen wäre der Opernalltag wohl eine ziemlich fade Angelegenheit. Oft wird es, zumal sängerisch, erst richtig interessant, wenn jemand Rache schwört, den Dolch zückt oder über Leichen geht. Je schlechter die Übeltäter desto besser die Musik, lautet die Faustregel.
Doch was kann die Tonkunst ausrichten, wenn es auf der Bühne um monströse Gestalten der Realhistorie geht? Was, wenn sie zum Beispiel einen kaltblütigen Massenmörder ins Rampenlicht rückt und dort als Tenor auftreten lässt? Der in Potsdam lebende Komponist Alex Nowitz (Jahrgang 1968) hat das Undenkbare riskiert und eine ernste, nachtschwarze Revue über den österreichischen NS-Schergen Alois Brunner geschrieben: «Die Bestmannoper». Der Titel spielt auf ein Diktum des Judenverfolgers Adolf Eichmann an, der Brunner seinen «besten Mann» genannt haben soll – einen fanatischen Antisemiten, der durch Europa reiste, um die Transporte in die Vernichtungslager zu organisieren, der nach dem Krieg untertauchte und – von diversen Geheimdiensten gedeckt und von der bundesdeutschen Justiz nie ernsthaft behelligt – nach Syrien flüchten konnte.
Nowitz und seinem Librettisten Ralph Hammerthaler war klar, dass einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Philip Glass 1976 mit «Einstein on the Beach» die Minimal-Music-Ästhetik in das Musiktheater einbrachte, fiel in deutschen Landen kaum auf, dass der Titel keineswegs bedeutet «Einstein am Strand», sondern so viel wie «Einstein auf der Kippe». Das war insofern bezeichnend, als Einsteins Relativitätstheorie bei Glass nichts mehr zu tun hat mit der ethischen...
Dieses Buch kann ich nicht genug rühmen; es enthält die holdseligsten Blüthen des deutschen Geistes und wer das deutsche Volk von seiner liebenswürdigen Seite kennen lernen will, der lese diese Volkslieder. […] Auf dem Titelblatte jenes Buches ist ein Knabe, der das Horn bläst; und wenn ein Deutscher in der Fremde dieses Bild lange betrachtet, glaubt er die...
Als Schwanengesang nicht nur der sechzehnjährigen Generalintendanz Joseph Volpes an der Metropolitan Opera, sondern auch der Regiekarriere Otto Schenks kommt dem neuen «Don Pasquale» in gewissem Sinne historischer Stellenwert zu. Natürlich wundert es niemanden, wenn das Ganze durch und durch konventionell ausfällt. Dass die Herren Volpe und Schenk niemals...
