Der Massenmörder als Tenor
Ohne finstere Gesellen wäre der Opernalltag wohl eine ziemlich fade Angelegenheit. Oft wird es, zumal sängerisch, erst richtig interessant, wenn jemand Rache schwört, den Dolch zückt oder über Leichen geht. Je schlechter die Übeltäter desto besser die Musik, lautet die Faustregel.
Doch was kann die Tonkunst ausrichten, wenn es auf der Bühne um monströse Gestalten der Realhistorie geht? Was, wenn sie zum Beispiel einen kaltblütigen Massenmörder ins Rampenlicht rückt und dort als Tenor auftreten lässt? Der in Potsdam lebende Komponist Alex Nowitz (Jahrgang 1968) hat das Undenkbare riskiert und eine ernste, nachtschwarze Revue über den österreichischen NS-Schergen Alois Brunner geschrieben: «Die Bestmannoper». Der Titel spielt auf ein Diktum des Judenverfolgers Adolf Eichmann an, der Brunner seinen «besten Mann» genannt haben soll – einen fanatischen Antisemiten, der durch Europa reiste, um die Transporte in die Vernichtungslager zu organisieren, der nach dem Krieg untertauchte und – von diversen Geheimdiensten gedeckt und von der bundesdeutschen Justiz nie ernsthaft behelligt – nach Syrien flüchten konnte.
Nowitz und seinem Librettisten Ralph Hammerthaler war klar, dass einem ...
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