Der Kulturarbeiter
Peter Sellars, das Enfant terrible, Peter Sellars, der Provokateur: Lang ist’s her. Der amerikanische Regisseur, der in den achtziger Jahren mit seinen Inszenierungen von «Don Giovanni», «Così fan tutte» und «Le nozze di Figaro» verstörte, polarisierte, faszinierte und international berühmt wurde, agiert heute eher aus dem Hintergrund. Es ist stiller um ihn geworden, andere Namen setzen jetzt die Trends in der Regieszene. Sellars ist längst etabliert und stößt keinen mehr vor den Kopf.
Dass der Theatermacher, der sich gleichermaßen mit Oper wie mit Schauspiel auseinander setzt und Theater immer als politisch und unlösbar mit unserer politischen Realität verbunden begreift, dabei alles andere als eine Zeiterscheinung mit kurzem Verfallsdatum ist, bestätigt die Textsammlung «Peter Sellars – Amerikanisches Welttheater», herausgegeben von Gottfried Meyer-Thoss. Das Phänomen Sellars als theaterbesessener, hochmusikalischer Analytiker, der die von ihm erarbeiteten Werke stets in einen akribisch recherchierten historischen und (sozial-)politischen Kontext stellt, setzt sich in den Texten von Maria M. Delgado, Ivan Nagel, Edward W. Said, Hermann Beil, Toni Morrison sowie in Interviews mit ...
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Dass dieser Herr Brouˇcek eigentlich ein unangenehmer Zeitgenosse aus der Abteilung Vermieter, Spießbürger oder Opportunist sein soll, merkt man in Matthias Oldags Inszenierung nicht so sehr. Man hört es aber auch in Janaˇceks Musik nicht wirklich heraus. Herr Brouˇcek trinkt vor allem gern mal einen über den Durst, und dann sieht er nicht nur eine, sondern zwei...
Heutzutage ist Wilhelm Kienzls einst erfolgreicher «Evangelimann» eine echte Rarität. Dabei hat der Zweiakter um den kinderchorverstärkten Hit «Selig sind, die Verfolgung leiden» durchaus musikalische Qualitäten. Von dialogischer Klangrede über das atmosphärische Streicherweben bis hin zu den singspielhaften, gar operettigen Anklängen der Kegelszene werden die...
Herr Chailly, im September 2005 treten Sie Ihr Amt als Generalmusikdirektor der Leipziger Oper und Gewandhauskapellmeister an. Leipzig zählt, trotz der unbestrittenen Qualitäten des Orchesters, nicht wirklich zu den führenden Musikmetropolen. Worin besteht für Sie der Reiz?
Leipzig ist nicht irgendeine Stadt, sondern ein Ort mit einer ganz außergewöhnlichen...
