Das zerissene Land
Mit Fernchören und Signalen aus dem Hintergrund, mit buntem Wechsel von martialischen Trommelklängen, Klagegesängen und poetischen Verinnerlichungen schuf Bellini in «I puritani» ein akustisch vielgestaltiges Panorama. Die Kontraste hat Lorenzo Mariani in seinem Berner Regiedebüt nördlich der Alpen in gut lesbare und auch starke Bilder umgesetzt.
Die Liebe zwischen dem königstreuen Arturo und der Puritanerin Elvira, die einen Lichtbogen über die Schranken des zerrissenen Landes hinwegsetzen soll, siedeln Mariani und Ausstatter William Orlandi in einer Bürgerkriegssituation im Italien des Ersten Weltkriegs an. Die Bilder weisen meist über den aktuellen Handlungsbezug hinaus. So stehen die Klagen des Chors über das traurige Schicksal Elviras, die sich ob der scheinbaren Untreue Arturos in den Wahnsinn flüchtet, zugleich für das eigene maßlose Elend. So kontrastiert die kriegerische Hymne von Giorgio und Riccardo am Ende des zweiten Teils mit dem sinnleeren Kriegstod der Massen im Hintergrund. Schützengräben rahmen einen Festsaal. Der Bühnenboden tut sich auf, Sinnbild gleichermaßen für die Gespaltenheit der irren Elvira wie für jene des durch Bürgerkrieg geschlagenen Volkes. Einzig ...
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