Konturenarm
Der Blick fällt in eine weite Halle, deren Tiefe sich ins Endlose zu erstrecken scheint. Feldbetten, eine Waschgelegenheit, Tische, Bänke und vor allem: zahllose gleichförmige Lampen, deren geometrisch ausgerichtete Reihen die großen Raumdimensionen noch unterstreichen. Allein diese Verhältnisse deuten schon auf die Monotonie des Alltags. Pierre Strosser verzichtet darauf, diesen Einheitsraum umzuordnen.
Es ist gerade die Perspektivlosigkeit, das ständige Einerlei der Umgebung, in der sich die Gefangenen meist langsam und ziellos bewegen, die Szene und Personenführung zum Ausdruck bringen will. In Janáˇceks dramatischem Konzept spielt das Nebeneinander von Masse und Individuum, von Choreinwürfen und großen Soli eine zentrale Rolle. Bloß das individuelle Schicksal, die Geschichte des Einzelnen relativiert die Masse. Jeder Täter lebt eben mit seinem eigenen Verhängnis, jede Tat, die mit Lagerhaft bestraft wurde, hatte ihre Hintergründe, ihr soziales Umfeld. Aber gerade hier scheitert Strossers Umsetzung, weil er die Fokussierung auf diese individuellen Geschichten, die die eigentliche Substanz des Werkes bilden, vernachlässigt. Die großen Lebensbeichten Skuratovs und ˇSiˇskovs ...
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Es ist schon etwas anderes, wenn die amerikanische Flagge mit ihrem Versprechen von Freiheit für jedermann im Opernhaus einer Stadt erscheint, deren Flughafen «George Bush» heißt, und wenn die «Stars and Stripes» immer dann aus dem musikalischen Fluss auftauchen, wenn auf der Bühne gelogen wird: Die «Butterfly»-Inszenierung, mit der Francesca Zambello vor sechs...
Es ist schon ein Kreuz mit Siegfried und Brünnhilde: Hat der jugendliche Held erst einmal seine Tante wachgeküsst, wird von den Darstellern über lange Minuten schauspielerisch viel gefordert. Wie viel man aus dieser brünstig endenden Duett-Szene machen kann, haben Evelyn Herlitzius und Christian Franz dieses Jahr in Bayreuth vorgemacht – wie erschreckend wenig...
Lucrezia hat keine Chance: Blutschande mit Vater und Brüdern, der Gifttod, den ihre Hand so gern und oft gereicht haben soll – sie ist gerichtet von zahllosen Geschichtsschreibern. Und wenn auch aus Historikersicht wohl an all dem nichts dran ist, so lebt das Ungeheuer Lucrezia Borgia doch fort in unseren Köpfen, kolportiert auch von Victor Hugos Schauspiel und...
