Der Hof tanzt mit
Das Versprochene trat zwar nicht ein – dafür gab es eine Strauss-Erfüllung ganz anderer Art. Weniger apokryph: Das «Salome»-Parlando, dessen betonte Pflege Christoph von Dohnányi in Aussicht gestellt hatte, verflüchtigte sich in Zürich bald – dazu geriet der orchestrale Part zu massiv, gingen die Forte-Wogen zu häufig hoch. Doch unter diesem Vorzeichen gelang seine Strauss-Variante bemerkenswert, ja, immer wieder überwältigend gut.
Vor allem das erregte Zwischenspiel nach den erbarmungslosen Flüchen Jochanaans wider Salome brach mit aller erdenklichen Wucht über uns herein: ein äußerst aktives Durchforsten der verkeilten Motivstränge. Da brodelte und zuckte es, blitzte und wucherte es. Da tobten die sinfonischen Elemente, und doch behielt der Dirigent den gewohnt kühlen Kopf. Das Ergebnis: maximaler Einblick in die Partitur noch im größten Getöse. Hinreißend vollends die Explosion der Strauss’schen Farben, der zielstrebige Drang in die Katastrophe, dank fließender Tempi ein immenser Zug aufs finale Debakel hin.
Sven-Eric Bechtolf inszenierte zum neunten Mal in Zürich – im Ganzen eine Qualitätskonstante, die das Haus stark mitprägte. Vom Gros der auf Sensation schielenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Noch bevor der erste Ton der neuen «Meistersinger» an der Welsh National Opera (WNO) zu hören war, platziert Richard Jones die Botschaft seiner Inszenierung: Auf dem Vorhang sieht man eine gewaltige, im Sergeant-Pepper-Stil gestaltete Collage mit Porträts deutscher Künstler aus vier Jahrhunderten. Das Spektrum reicht von Bach und Beethoven bis Bausch, Berghaus und...
Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte...
In der zu seinen Lebzeiten niemals szenisch erprobten «Damnation de Faust» komprimierte Berlioz die Handlung von Goethes «Faust I» zum schwarz-romantischen Horrorspektakel. Harry Kupfer setzte in seiner Frankfurter Neuinszenierung noch eins drauf und arrangierte die Szenencollage als Abfolge grotesker theatralischer Monstrositäten. Kupfer griff dabei tief in den...
