Der Geist der Utopie

Carrara: Voix d’Hebron an der Oper Metz

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Waltet hier Gottes Zorn? Tatsache ist: Der finale Sturm fegt den Erzvater samt seinen beiden Erben auseinander und zwingt sie, einen Unterschlupf vor der aufbrausenden Naturgewalt zu finden. Wie gut, dass der Alte den jungen Leuten zuvor seinen stattlichen Landbesitz vermacht hatte, damit dort die Versöhnung von Palästinensern und Juden gedeihen möge. Was aber letztlich daraus wird, bleibt offen.

Denn obwohl die jüdische Agrarwissenschaftlerin Ruth, die gerade ihren Wehrdienst ableistet, und der palästinensische Archäologe Mohammed viel füreinander empfinden, drohen die zerstörerischen Kräfte der da wie dort waltenden religiösen, politischen Vorurteile immer wieder die Oberhand zu gewinnen.

Cristian Carrara und sein Librettist Sandro Cappelletto blenden in «Voix d’Hebron» diese Gefahr nicht aus. Doch beschwört ihre 70-minütige, jetzt in Metz aus der Taufe gehobene Kammeroper gegen alle realpolitischen Einwände dennoch den Geist der Utopie. Und just von der geteilten Stadt Hebron aus soll dieser wirken. Zwar zeichnet sich dort all das, was Juden und Palästinenser trennt, oft noch schmerzlicher, schärfer ab als anderswo. Vereint aber sind die Feinde in ihrer Verehrung Abrahams; ...

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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Kaminski

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