Der Geist der Utopie
Waltet hier Gottes Zorn? Tatsache ist: Der finale Sturm fegt den Erzvater samt seinen beiden Erben auseinander und zwingt sie, einen Unterschlupf vor der aufbrausenden Naturgewalt zu finden. Wie gut, dass der Alte den jungen Leuten zuvor seinen stattlichen Landbesitz vermacht hatte, damit dort die Versöhnung von Palästinensern und Juden gedeihen möge. Was aber letztlich daraus wird, bleibt offen.
Denn obwohl die jüdische Agrarwissenschaftlerin Ruth, die gerade ihren Wehrdienst ableistet, und der palästinensische Archäologe Mohammed viel füreinander empfinden, drohen die zerstörerischen Kräfte der da wie dort waltenden religiösen, politischen Vorurteile immer wieder die Oberhand zu gewinnen.
Cristian Carrara und sein Librettist Sandro Cappelletto blenden in «Voix d’Hebron» diese Gefahr nicht aus. Doch beschwört ihre 70-minütige, jetzt in Metz aus der Taufe gehobene Kammeroper gegen alle realpolitischen Einwände dennoch den Geist der Utopie. Und just von der geteilten Stadt Hebron aus soll dieser wirken. Zwar zeichnet sich dort all das, was Juden und Palästinenser trennt, oft noch schmerzlicher, schärfer ab als anderswo. Vereint aber sind die Feinde in ihrer Verehrung Abrahams; ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Kaminski
Brittens letzte Oper «Death in Venice» ist – wie seine Vorlage, Thomas Manns Novelle «Der Tod in Venedig» – ein Werk über das Sterben, es fragt nach der Würde oder der fehlenden Würde des Dahingehens. Ein Werk über das Vergreisen ist es jedoch keineswegs. Genau in diese Falle tappt Magdalena Fuchsberger mit ihrer Inszenierung am Theater Heidelberg. Der Dichter...
Er war einer der größten Sänger des 20. Jahrhunderts und ist doch kaum bekannt – der 2016 verstorbene US-Amerikaner Russell Oberlin. 1959 nahm er ein Recital mit Händel-Arien auf, das zweifelsohne zu den Glanzlichtern des Barockgesangs gehört. Darunter befindet sich auch die Arie «Ombra cara di mia sposa», in der Radamisto den vermeintlichen Tod seiner Frau Zenobia...
Die Musik, die ich suche, ist mit dem Raum geschrieben: Sie ist in keinem Raum gleich, sondern arbeitet mit ihm», schrieb Luigi Nono mitten in der Entstehung seines «Prometeo», der im September 1984 als einziges Werk der Biennale Musica in Venedig uraufgeführt werden sollte. Das historische Unternehmen war Ergebnis einer außergewöhnlichen kollektiven künstlerischen...
