Der doppelte König
Wo Igor Strawinsky war, da war der Tanz nicht weit, auch die szenische Transformation der Oper nicht – und schon gar, wenn Impresario Sergei Diaghilew die Hände im Spiel hatte. «Le Rossignol» schlüpfte schon bei der Pariser Uraufführung 1914 ins Ballettröckchen, dieweil die Sänger lediglich zu singen hatten. «Oedipus Rex» widerfuhr bereits bei der szenischen Premiere 1928 in Wien eine ähnliche Arbeitsteilung: Statisten mimten, was der Chor im Graben vorgab. Und schon 1931 in New York agierten Riesenpuppen.
Was jetzt an der elsässischen Opéra national du Rhin geschah, ist also keineswegs neu, ästhetisch indes eine Spur komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint.
Es ist nämlich nicht so, dass ein Part nur gespielt, der andere pur getanzt würde. Die Ebenen durchmischen sich. Sie interagieren. Die kunstvoll gefiederte Nachtigall (Ausstattung: Rudy Sabounghi) setzt die Motionen der Partitur im sinnfällig gestalteten Raum zwar fantasievoll um – ansonsten festigt sich jedoch der Eindruck, die amerikanische Wilson-Choreografin und Tanzschöpferin Lucinda Childs werde von der Pein des horror vacui heimgesucht und fülle die Szene auch dort mit geschäftiger Bewegung an, wo es gar ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Edition Günter Hänssler hat mit ihrer Sammlung historischer Aufnahmen der Staatskapelle Dresden, in der die Oper eine wichtige Nebenrolle spielt, neue Standards gesetzt und nun mit der 16. und 19. Folge wahrhafte Schatzgräberarbeit geleistet: Die komplette «Katja Kabanova» von 1949 und der Querschnitt von Dvoráks «Der Jakobiner» sind zuvor noch nie...
Er war ein Universalist. Ernst Haefliger hat viele Rollen des lyrischen Opernrepertoires gesungen, Oratorien, Messen, Passionen und Kantaten, und er hat seine Arbeit als Dienst für die Lebenden begriffen. Wo und wann immer Uraufführungen angesetzt waren, stand er für Carl Orff, Boris Blacher, Frank Martin, Olivier Messiaen und Aribert Reimann bereit. Noch zu...
In den Garten am Hang hinterm Bungalow schüttet der Siegerland-Regen. Reinhard Goebel rutscht auf seinem Biedermeierstuhl herum. «Ich bin kein Opernmensch!», sagt der Mann, der gerade Michael Haydns Salzburger Festoper «Andromeda und Perseus» für die CD und Piccinnis «Catone in Utica» im Nationaltheater Mannheim dirigiert hat. Musikalische Vorlieben, wie sie Goebel...
