Vom Bilderstürmer zum Aufklärer

Reinhard Goebel hat die Musica Antiqua Köln gegründet und geformt. Nach einer Handverletzung verlegt sich der Geiger mehr und mehr aufs Dirigieren: Jetzt inte­ressieren ihn Spezial­orchester für Alte Musik überhaupt nicht mehr. Er will dort vermitteln, wo sich seine Erkenntnisse noch nicht durchgesetzt haben. Und er macht das ganz ohne den Rückhalt einer Plattenfirma, wie er ihn fast drei Jahrzehnte hatte. Ein Hausbesuch.

In den Garten am Hang hinterm Bungalow schüttet der Siegerland-Regen. Reinhard Goebel rutscht auf seinem Biedermeierstuhl herum. «Ich bin kein Opernmensch!», sagt der Mann, der gerade Michael Haydns Salzburger Festoper «Andromeda und Perseus» für die CD und Piccinnis «Catone in Utica» im Nationaltheater Mannheim dirigiert hat. Musikalische Vorlieben, wie sie Goebel als Geiger und Ensemblechef von Musica Antiqua Köln entwickelte – Biber, Telemann, Heinichen, die Bach-Dynastie –, scheint es auf theatralischem Gebiet keine zu geben. Fast keine.

«Also gut, wenn mich ein Theater fragen würde, welche Opern ich unbedingt machen wollte, kämen mir ‹Amadis de Gaule› von Johann Christian Bach und ‹Scylla et Glaucus› von Jean-Marie Leclair in den Sinn. Das halte ich für wichtiger als ‹Traviata›.»
Man würde von Goebel nichts anderes erwarten. Denn seit der Gründung von Musica Antiqua im Jahr 1973 – da war er gerade einundzwanzig Jahre alt – hat sich der Violineleve von Franzjosef Maier, Saschko Gawriloff und Marie Leonhardt für die Musiker im Schatten der Großmeister interessiert. «Als ich noch Geige spielte, stand Bach im Mittelpunkt. Allerdings bin ich nur gelegentlich bis zu ihm selbst ...

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Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Porträt, Seite 76
von Michael Struck-Schloen

Vergriffen
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