Der Außenseiter im Zentrum

Komponist, Dirigent, Musikdenker, Machtmensch, Ermöglicher: Erinnerungen an Pierre Boulez

Opernwelt - Logo

Mit dem Schlagwort «Jahrhundertfigur» sollte man behutsam umgehen. Trotzdem fällt es schwer, bei Pierre Boulez nicht der Assoziation zu verfallen, hat er doch seit den 40er-Jahren vielfältig die Musikkultur beeinflusst, vorangetrieben, Ideal und Wirklichkeit auch politisch in Bewegung versetzt. Doch zur Galionsfigur taugt er nicht, hat dies sogar einmal programmatisch deklariert: «Die Musik soll so persönlich sein, dass sie schließlich eine geschichtliche Epoche zu bestimmen, zu umschreiben vermag – das heißt, dass sie eine glorreiche – und eine stolze – Anonymität erreicht.

» Hohes Selbst-, ja Sendungsbewusstsein spricht aus diesem Satz, aber auch eine Zurücknahme der Subjektivität: Über seine Person, gar die private, ist wenig bekannt; als habe er systematisch die Spuren verwischt. Was in seltsamem Widerspruch steht zur außerordentlichen Distinktheit seines Komponierens, Dirigierens, Formulierens, sogar scharfen Attackierens – nicht zuletzt im «Spiegel»-Interview von 1967 mit der berüchtigten Überschrift «Sprengt die Opernhäuser in die Luft». Das hatte Boulez natürlich nicht vor, er meinte nur, die Institution sei in vieler Hinsicht so verkrustet, dass sie lebendiges Musiktheater ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Pierre Boulez, Seite 30
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Die Krönung: Der Weißgoldakkord

Der Mann im rotbraunen Samtsakko mit Fliege zündet sich zum Schluss genüsslich einen Glimmstengel an und hört mit sarkastischem Lächeln, wie die anderen ihn verabschieden. «Questo è il fin di chi fà mal», dies sei das Ende von jemandem, der Böses tue, behaupten sie. Weswegen der Mann im Samtsakko (es ist, erraten, Don Giovanni) sie dann auch in den Orkus schickt....

Alles offen, viel Metall

Im Barocktheater war alles ganz einfach: Man spielte in festen Bühnenbildern, mehrfach gestaffelten Prospekten aus Holz. Veränderte Schauplätze wurden durch Umgruppierungen dieser Elemente erzielt, zudem garantierte der «arco scenico», also die gebogene Struktur über dem Bühnenportal, als «natürlicher» Reflektor gute akustische Verhältnisse für das, was auf den...

Impressum

Impressum

57. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752286

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de

Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 13.01.2016

Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....