Der Anfang ist gemacht

Ein Gesangwettbewerb in Ungarn will mehr als schöne Stimmen

Opernwelt - Logo

Normalerweise sind Gesangwettbewerbe eine Sache für Frack und Abendkleid. Die Teilnehmer präsentieren sich mit einem mal mehr, mal weniger vorgegebenen Arien-Reigen, wobei natürlich laut Statuten immer die «ganze» Persönlichkeit bewertet wird. Im süd-ungarischen Szeged fand jetzt erstmals ein Wettbewerb statt, der darüber hinaus will. Neunzehn Finalisten waren dort in fünf Opernproduktionen zu erleben, meist in Hauptrollen und keineswegs im Standardrepertoire. Das ist, zunächst einmal, ein Meisterwerk der Logistik.


Hauptverantwortlich dafür ist Agnes Havas, die mit ihrer kleinen Gesellschaft Armel Productions dort Initiative ergreifen will, wo die Oper in Ungarn meist noch immer schläft: Abseits der üblichen Ausstattungsschinken will sie die Gattung als zeitnahe, impulsgebende, gesellschaftsbezogene Kraft erfahrbar machen. Ein erster Versuch war «Le Balcon» von Peter Eötvös gewidmet. Für den Wettbewerb hat Havas viele Verbündete gefunden. Nur acht Prozent der Kosten kommen vom Staat, die Liste der Sponsoren ist lang. Szeged stellt kein Geld zur Verfügung, aber sein Nationaltheater: ein schmuckes, unlängst renoviertes Helmer&Fellner-Schlösschen aus dem Jahr 1883. Wichtigste ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vom Himmel hoch

Gleich vorweg: Dies ist eine Aufführungskritik. Sie beschäftigt sich mit der jüngsten Premiere der Deutschen Oper Berlin und nicht mit der Frage nach einer Vertragsverlängerung von ­Kirsten Harms oder der hauptstädtischen Opernsituation. Beides miteinander zu verknüpfen, ist so leicht wie unsinnig. Wir wünschen also vorweg der Deutschen Oper eine ­sichere und...

Kinderweihnachtsmärchen

Der chinesisch-amerikanische Komponist Tan Dun ist ein seltsamer Fall. Seine Vorbilder, sagte er einmal, seien Toru Takemitsu und John Cage, Hans Werner Henze und Dmitri Schostakowitsch. Gegensätzlicher könnten geistige Väter kaum sein. Der Personalstil des postmodernen «Mischlings» ist also vor allem daran zu erkennen, dass er keinen hat. Tans Werke sind offen für...

Licht und Schatten

Katharina Wagners «Meistersinger»-Inszenierung ist zweifellos das, was man einen Wurf nennt: frisch, frei, ironisch, ehrlich, der Komplexität des Stückes in jedem Moment gewachsen. Sie entdeckt viel Düsteres und Böses, wo üblicherweise die Jubelparade dominiert. Sie ist offen in den Ideen, aber geschlossen in der theatralen Umsetzung. Sie spielt mit...