Heiter, leicht, geradeheraus
Die Trümmer der nächtlichen Prügelei liegen noch auf der Festwiese herum und müssen von den arg blessierten Meistern erst diskret beiseitegeräumt werden, bevor der Sängerwettstreit beginnen kann. Alle sind damit beschäftigt, die Verbände, die Pflaster und blaue Flecken zu verbergen – bis sie merken, dass die Kollegen so ramponiert sind wie sie selbst. Und wieder lacht das Publikum in der Oper Chemnitz, über den (nicht immer subtilen) Humor Richard Wagners und des Regisseurs Michael Heinicke.
Überhaupt herrscht viel Heiterkeit im Saal über diese vorbildlich textverständliche Aufführung Mitte April.
Heinicke verlegt das Stück über (deutsche) Leitkultur und künstlerische Innovation in ein Museum des 19. Jahrhunderts. Wagner und seine Zeitgenossen träumen sich in ein Fantasie-Mittelalter zurück, in dem es nicht besonders idyllisch zugeht. In der Rotunde des Bühnenbildners Peter Sykora werden die Figuren der alten Geschichte nachts lebendig, spielen das Geschehen nach. Dabei fokussiert die Regie weniger auf die gesellschaftlichen Spannungen zwischen Adel und Bürgertum als auf die Dialektik von Anziehung und Abstoßung zwischen dem alternden Hans Sachs und der jungen Eva Pogner. Und ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Uwe Friedrich
Die Rolle passt ihr wie ein Handschuh, sagte Jonas Kaufmann kurz vor der Münchner «Manon Lescaut»-Premiere im November 2014, nachdem Anna Netrebko die Titelpartie geschmissen hatte und Kristine Opolais für sie eingesprungen war. Opolais und Kaufmann hatten das vom Abbé Prévost literarisch und von Puccini musikalisch ausgeformte Liebespaar zuvor bereits am Royal...
Ein zerstreuter Flaneur könnte es glatt übersehen, das Konserthus am Götaplatsen. Wie das vis-à-vis gelegene Stadsteater kauert der Bau im Schatten des stirnseitig auf einem Plateau thronenden Konstmuseums. Die Vorzüge des von dem schwedischen Architekten Nils Einar Eriksson entworfenen, 1935 eröffneten Quaders finden sich im Inneren. Alles kündet hier von einer...
Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und...
