Unheilvoll verschränkt
In Bremen müsste Donizettis lyrische Tragödie «Maria Stuarda» eigentlich «Elisabetta» heißen: Anna-Sophie Mahlers Inszenierung zeichnet ein faszinierendes Psychogramm der als «jungfräuliche Königin» in die Geschichte eingegangenen englischen Monarchin. Sie zeigt sich als im politischen Alltag hart gewordene Frau, die immer wieder mit den in ihr aufbrechenden Gefühlen – Liebe, Mitleid, Hass – kämpft und trotz allem die Fähigkeit zur Empathie nicht verloren hat.
Dabei residiert sie in einem diagonal zur Rampe aufgestellten, bunkerartigen Kellerraum, irgendwo im historischen Niemandsland angesiedelt. Grau, mit niedrig lastender Decke und zwei Jalousettenfenstern, von denen eines hin und wieder den Blick auf das Verlies der Stuart freigibt. Ein freudloses Zentrum der Macht.
In diesem von Duri Bischoff entworfenen Einheitsbühnenbild spielt sich die gesamte Handlung ab, von der Regisseurin in ständiger Steigerung mit feinsinnig deutenden Akzenten versehen. Aus der berühmten, mit ungeheurer Binnenspannung erfüllten Auseinandersetzung zwischen den Königinnen macht sie ein Psycho-Drama ersten Ranges, an dessen Ende Elisabetta mit heruntergerissener Perücke als Verliererin auf dem ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Gerhart Asche
Ein zerstreuter Flaneur könnte es glatt übersehen, das Konserthus am Götaplatsen. Wie das vis-à-vis gelegene Stadsteater kauert der Bau im Schatten des stirnseitig auf einem Plateau thronenden Konstmuseums. Die Vorzüge des von dem schwedischen Architekten Nils Einar Eriksson entworfenen, 1935 eröffneten Quaders finden sich im Inneren. Alles kündet hier von einer...
Als der Krebs ihn immer heftiger beherrschte, schrieb Claude Debussy: «Ich war dabei – oder fast dabei – ‹La Chute de la Maison Usher› zu vollenden: Die Krankheit hat meine Hoffnung ausgelöscht […] Ich finde mich schwer mit dieser Wendung meines Schicksals ab.» Auf der anderen Seite meinte er aber auch, diese Oper sei nur eine «Neuauflage des ‹Pelléas›» – mit einer...
Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im...
