Unheilvoll verschränkt

Donizetti: Maria Stuarda Bremen / Theater am Goetheplatz

Opernwelt - Logo

In Bremen müsste Donizettis lyrische Tragödie «Maria Stuarda» eigentlich «Elisabetta» heißen: Anna-Sophie Mahlers Inszenierung zeichnet ein faszinierendes Psychogramm der als «jungfräuliche Königin» in die Geschichte eingegangenen englischen Monarchin. Sie zeigt sich als im politischen Alltag hart gewordene Frau, die immer wieder mit den in ihr aufbrechenden Gefühlen – Liebe, Mitleid, Hass – kämpft und trotz allem die Fähigkeit zur Empathie nicht verloren hat.

Dabei residiert sie in einem diagonal zur Rampe aufgestellten, bunkerartigen Kellerraum, ­irgendwo im historischen Niemandsland angesiedelt. Grau, mit niedrig lastender Decke und zwei Jalousettenfenstern, von denen eines hin und wieder den Blick auf das Verlies der Stuart freigibt. Ein freudloses Zentrum der Macht.

In diesem von Duri Bischoff entworfenen Einheitsbühnenbild spielt sich die gesamte Handlung ab, von der Regisseurin in ständiger Steigerung mit feinsinnig deutenden Akzenten versehen. Aus der berühmten, mit ungeheurer Binnenspannung erfüllten Auseinandersetzung zwischen den Königinnen macht sie ein Psycho-Drama ersten Ranges, an dessen Ende Elisabetta mit heruntergerissener Perücke als Verliererin auf dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Sehnsucht und Verklärung

Knapp vorbei ist auch daneben. 1921 schrieb Arnold Schönberg in einer kleinen Festschrift zum Geburtstag seines Lehrers, Freundes und Schwagers Alexander Zemlinsky: «Zemlinsky kann warten.» Warten musste dieser in der Tat: Die Uraufführung seiner Oper «Der Traumgörge» ging erst 1980, mit gut 75 Jahren Verspätung, in Nürnberg über die Bühne.

Schönberg hatte das...

Zum Lachen tragisch

Schon vor Wagner taugte der Tod zum Happy End. «Manon Lescaut» von ­Daniel-François-Esprit Auber – die früheste der drei Abbé Prévost-Vertonungen – bekennt sich trotz tödlichem Ausgang zur Opéra comique. Zu Recht! «Comme un doux rêve», wie ein süßer Traum kommt das Ende der leichtlebigen, operndösig verruchten Titelheldin daher. Aber nur bei Auber.

Dass es seither...

Alles zu seiner Zeit

Gerade haben Sie mit der «Idomeneo»-Elettra Ihrem Repertoire eine neue Rolle hinzugefügt. Wie gehen Sie mit so einem Charakter um? Versuchen Sie, Verständnis für die Figur zu entwickeln?
Eigentlich kann ich sie nicht verstehen. Elettra ist voller Rachegefühle, und in meinem normalen Leben spielen Zorn und Rache keine Rolle. Sie hat aber eben deshalb sehr klare...