Starkes Stück
Ein dunkles Summen von Saiten, ein geheimes Wühlen aus dem Schlagzeug, mehr ist da anfangs nicht. Klang, der sich vorantastet. Der Chor spuckt das Wort «dust» aus, Konsonanten zischen: In einem schlichten Saal beobachten Höflinge an langen Tafeln die Auseinandersetzung zwischen Hamlet und dem frisch vermählten Königspaar. Es wird getrunken, zu essen sieht man nichts. Doch Fetzen des berühmten Monologs «To be or not to be» werden schon herumgereicht.
Ein neuer «Hamlet»-Versuch.
Der australische Komponist Brett Dean hat sich den Stoff für Glyndebourne vorgenommen, es ist nach «Bliss» (siehe OW 11/2010) seine zweite Oper und für das Festival die erste Uraufführung seit Peter Eötvös’ «Love and Other Demons» (2008). Den Auftrag fädelten noch David Pickard und Vladimir Jurowski ein. Letzterer steht jetzt – erstmals seit der Stabübergabe an Robin Ticciati 2013 – auch am Pult des London Philharmonic Orchestra.
Das Libretto ist reiner Shakespeare. Matthew Jocelyn hat aus den drei bekannten Quellen (den Quartos und der Folioversion) einen schlüssigen Zweiakter destilliert, der die Auseinandersetzung zwischen Norwegen und Dänemark auslässt, auch die Verbannung nach England tilgt, sich ...
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Vor siebzig Jahren ging in der Aufbruchsstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg das erste Holland Festival über die Bühne. Das Gründungsfieber lag damals offenbar in der Luft, denn fast zeitgleich wurden auch die Festivals in Avignon (1947) und Aix-en-Provence (1948) ins Leben gerufen. Unter ihnen bietet das Holland Festival bis heute das breiteste Programm – in diesem...
Für das deutsche Publikum ist Kurt Weill in erster Linie der Komponist von Stücken, die in Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht entstanden sind, vor allem «Die Dreigroschenoper» und «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny». Sein reiches amerikanisches Œuvre, weitgehend frei von politischer Ambition, wird hierzulande gerne in die U-Musik-Ecke geschoben, weil es dem Stil...
Die Heilige ist nackt. Splitterfasernackt. Mit dem Rücken zu uns, embryotisch gekrümmt, liegt Maddalena (Randi Lund) an der Bühnenrampe, Schutz suchend, wo nur spitze Schuhe sind. Mehrfach, fast obsessiv, tritt ihr ein blondgewellter Mann in hellblauem Anzug und verspiegelter Sonnenbrille mit ungeminderter Wucht in den Schoß, selbst vor der Apostelin der Apostel...
