Das Wort singt
Nimmt man Charles Gounod beim Wort, war für die französischen Sänger die Klarheit der Aussprache wichtiger als die Qualität des Tons. «Die Aussprache muss klar, sauber, distinkt und exakt sein. Das bedeutet, dass sie dem Ohr in keinem Augenblick irgendeine Ungewissheit betreffs des ausgesprochenen Wortes bereitet. Sie muss ausdrucksvoll sein, und das meint, dass sie das Gefühl, das sie mit dem Wort ausgedrückt hat, sinnenfällig machen muss», schreibt er in «Le Don Juan de Mozart». «Sie ist es, die das Wort mit Gedanken füllt, mit Sentiment, mit Passion ...
Artikulation sichert Sauberkeit [netteté], Aussprache schafft Eloquenz.»
Der Bariton Arthur Endrèze verstand sich darauf in exemplarischer Weise. Das amerikanische Label Marston hat ihm jetzt fünf CDs gewidmet – und die Edition ist eine der fesselndsten individuellen Dokumentationen französischer Gesangskunst überhaupt.
Endrèze (recte: Endres Kraeckmann) wurde 1893 in Chicago als Sohn eines bayerischen Immigranten geboren. 1928 ging er nach Frankreich, wo der legendäre Tenor Jean de Reszke sein Lehrer wurde und der Komponist Reynaldo Hahn sein Förderer – der es als «Trägheit des Geistes» ansah, sich vom schönen Klang einer Stimme ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Kesting
Hector Berlioz’ «Benvenuto Cellini» erlebt gegenwärtig eine Renaissance. Die Produktion der English National Opera aus dem Jahr 2014 (Inszenierung: Terry Gilliam) ist inzwischen aus London via Amsterdam nach Barcelona gereist. Die Oper Bonn hat eine 2008 in Nürnberg erarbeitete Inszenierung von Laura Scozzi reaktiviert. Und in Köln konnte der neue GMD...
Philip Glass und sein Librettist Christopher Hampton haben ihre 2007 in San Francisco uraufgeführte Oper «Appomattox» überarbeitet. Oder sollten wir besser sagen: aktualisiert? Das Thema des Stücks, Rassismus in Nordamerika, ist leider alles andere als erledigt. Mit den jüngsten Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze ist die Diskussion um Bürgerechte wieder voll...
Nein, das Datum wollen wir mal nicht so ernst nehmen. «Das schlaue Füchslein», so wie es in Darmstadt drei Tage vor dem ersten Advent zur Premiere kam, ist kein putziges Weihnachtsmärchen. Es ist aber sehr wohl ein Abend mit Herz und Gemüt, einer, der handwerkliche Souveränität mit Versenkung in die Sache kombiniert. Man könnte auch sagen: einer, der Klarheit und...
