Brillantes Handwerk
Nein, das Datum wollen wir mal nicht so ernst nehmen. «Das schlaue Füchslein», so wie es in Darmstadt drei Tage vor dem ersten Advent zur Premiere kam, ist kein putziges Weihnachtsmärchen. Es ist aber sehr wohl ein Abend mit Herz und Gemüt, einer, der handwerkliche Souveränität mit Versenkung in die Sache kombiniert. Man könnte auch sagen: einer, der Klarheit und Andeutung so mischt, dass sich immer wieder schöne Momente von Verdichtung ergeben. Doch der Reihenfolge nach.
Janácek wusste genau, dass seine Art des musikalischen Satzes viele Probleme aufwarf.
Es geht um andere Schwierigkeiten als bei seinen Generationsgenossen Richard Strauss oder Gustav Mahler. Janácek nutzt zwar das große, romantische, gemischte Orchester, aber er verwehrt ihm die Ausgewogenheit. Es gibt kaum Füllstimmen, und die Instrumente werden oft anders gebraucht als üblich. Unbequem ist das – für die Musiker genauso wie für den Hörer. Die instrumentalen Einzelstimmen scheinen permanent auseinanderzustreben, in ihrer Aphoristik nur notdürftig zusammengehalten. Was da Figuration ist, was ein bloßgelegter motivischer Kern, das lässt sich oft nur schwer entscheiden. Janácek schafft damit eine ganz neue Polyphonie ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Stephan Mösch
Zwei Grundfragen machen in Drama, Musik, Roman und Film zu schaffen: wie anfangen, wie enden? Wobei Komponisten nicht selten der Beginn leichter fällt als der Schluss, das Fragmentproblem sich als Sonderfall erweist. Bei Wagner gar gehen Lösung und Erlösung Hand in Hand, die Schwierigkeiten sind komplementär. So ist es kein Zufall, dass er gerade an den ersten...
Gioachino Rossinis schnelle Koloraturen und jähe Sprünge verlangen agile, bewegliche Stimmen. Man könnte auch sagen: sportliche. Hat deshalb die Regisseurin Mariame Clément an der Opera Vlaanderen in Gent das «Armida»-Geschehen von den Toren Jerusalems zur Zeit der Kreuzritter in ein Sportstadion der Jetztzeit verlegt? Oder legte die Übermacht des männlichen...
Deutscher Wald. Finstere Schlucht. Darin ein Jägersmann, der seine Braut bei einem Wettschießen gewinnen muss und sich mangels Treffsicherheit auf einen Deal mit dem Teufel Samiel einlässt, um einen Freischuss zu ergattern. Sünde, Sühne, Todesangst. Ein heilig-frommer Eremit, der das Böse bannt und die jungfräuliche Verlobte rettet. Dazu lange Sprechpassagen in...
