Das Unsichtbare zeigen
Er sei zu den Proben ins Theater geflogen, sagt Evgeny Titov und breitet die Arme aus. «Ich war diese Wochen durchweg glücklich. Das Ensemble und ich, wir waren wie eine Blutgruppe.» Sechs Kilo habe er abgenommen während der Zeit. Vermutlich, weil er auf der Bühne permanent auf maximalem Energielevel schwingt, selbst in jede Rolle einsteigt und das Ensemble mit einer Intensität spielen lässt, als gäbe es kein Morgen.
Vor die Wahl gestellt zwischen Schauspiel und Musiktheater, würde er sich derzeit ganz klar für Letzteres entscheiden.
Das Genre ziehe ihn magisch an, bekennt er. Nachdem er die erste Oper gemacht hat, würde er am liebsten nichts anderes mehr tun. Einzige Ausnahme: Anton Tschechow. «Ein Stück wie dessen ‹Möwe› zu inszenieren, wäre für mich ein absoluter Traum», erklärt Titov. Allerdings sei der Dramatiker gar nicht so weit vom Musiktheater entfernt, wie man vielleicht denken könnte: «Tschechow ist fast wie moderne Musik, unglaubliche Musik! Seine Stücke sind in gewissem Sinne eine Partitur, mit Pausen, bestimmten Rhythmen und Tempi. Ich glaube, dass die besten Texte von Tschechow wie auch von Shakespeare schon fast Arien sind.» Am Musiktheater reize ihn vor allem die ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Porträt, Seite 84
von Sylvia Adler
Es war ein durch und durch imposantes Bild: Sichtlich bewegt, dabei auf Social Distancing bedacht, hatten sich Hunderte von New Yorker Musikliebhabern rund um die Open-Air-Bühne des Lincoln Center im Damrosch Park versammelt, um die erste Opernaufführung überhaupt seit dem Lockdown im März 2020 mitzuerleben. Das grüne Areal – benannt ist es nach Leopold Damrosch,...
Robert Wilson
Damals, im Sommer 1976, geschah der Musiktheater-Umsturz: Robert Wilson, 34-jähriger Texaner, präsentierte in Old Europe eine Kreation mit dem rätselhaft absurden Titel «Einstein on the Beach», die Minimal Music dazu lieferte der Amerikaner Philip Glass. Das Stück hatte von Avignon aus Furore gemacht, mit Gastspielen in einigen Theatermetropolen....
Hätte die letzte Spielzeit von Nikolaus Bachler als Intendant der Bayerischen Staatsoper nicht unter dem Signum der Corona-Maßnahmen gestanden, sie wäre wohl tatsächlich seine glanzvollste geworden. Schließlich hatte Bachler, der es so gern glänzend (und manchmal auch einfach nur hochglänzend) liebte, sie als geschichtsbewusste Summe angedacht: einige der...
