Das Unsichtbare zeigen

Für Evgeny Titov ist das Theater Fenster in eine andere Realität, Ort der großen Emotionen, in der Oper mehr noch als im Schauspiel. Die will der russische Regisseur freilegen, in größtmöglicher Intensität.

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Er sei zu den Proben ins Theater geflogen, sagt Evgeny Titov und breitet die Arme aus. «Ich war diese Wochen durchweg glücklich. Das Ensemble und ich, wir waren wie eine Blutgruppe.» Sechs Kilo habe er abgenommen während der Zeit. Vermutlich, weil er auf der Bühne permanent auf maximalem Energielevel schwingt, selbst in jede Rolle einsteigt und das Ensemble mit einer Intensität spielen lässt, als gäbe es kein Morgen.

Vor die Wahl gestellt zwischen Schauspiel und Musiktheater, würde er sich derzeit ganz klar für Letzteres entscheiden.

Das Genre ziehe ihn magisch an, bekennt er. Nachdem er die erste Oper gemacht hat, würde er am liebsten nichts anderes mehr tun. Einzige Ausnahme: Anton Tschechow. «Ein Stück wie dessen ‹Möwe› zu inszenieren, wäre für mich ein absoluter Traum», erklärt Titov. Allerdings sei der Dramatiker gar nicht so weit vom Musiktheater entfernt, wie man vielleicht denken könnte: «Tschechow ist fast wie moderne Musik, unglaubliche Musik! Seine Stücke sind in gewissem Sinne eine Partitur, mit Pausen, bestimmten Rhythmen und Tempi. Ich glaube, dass die besten Texte von Tschechow wie auch von Shakespeare schon fast Arien sind.» Am Musiktheater reize ihn vor allem die ...

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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Porträt, Seite 84
von Sylvia Adler

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