«Das Schönste ist der Wechsel»

Ihre ersten Meriten hat sie sich im Schauspiel verdient – mit gewagten Literatur-Adaptionen ihrer Landsleute Olga Tokarczuk und Szczepan Twardoch sowie Stücken Elfriede Jelineks. Mit Wagners «Ring» debütierte Ewelina Marciniak schließlich spektakulär auf der Opernbühne. Ein Gespräch über Gott, gescheiterte Revolutionen, dumme rechtsextreme Politiker und den fragilen Sinn des Lebens

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Frau Marciniak, was fällt Ihnen leichter – an Gott zu glauben oder an die Ideale der Französischen Revolution?
Oh, was für eine Frage! (überlegt eine Weile) Ich denke, beide Ideen sind verlockend, da es eine menschliche Notwendigkeit gibt, an irgendetwas zu glauben. Der Gottesglaube hilft uns, gewisse Dinge unserer Existenz besser zu akzeptieren. Und die Ideale der Französischen Revolution finde ich deswegen interessant, weil sie so modern und also präsent sind.

Wir streben ja nach wie vor nach einer Form von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, und es ist wirklich wichtig, in einer Gemeinschaft zu leben, die es uns zugleich ermöglicht, individuell zu sein, nach Erfolg und Spaß zu suchen und uns unserer Arbeit zu widmen. Zugleich fehlt etwas Grundlegendes. Denn es war das Leben in der Gemeinschaft, welches uns den Sinn unseres Lebens gab, die Möglichkeit, die gleichen Ideen und Werte zu teilen. Darin sind sich beide Ideale doch ähnlich.

Vergleichen wir beide Glaubensgrundsätze noch einmal konkret miteinander: Die Ideale der Französischen Revolution sind ja viel konkreter als Gott, der nur ein Begriff ist, eine Idee, eine Entität, deren Existenz wir weder beweisen noch ...

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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Interview, Seite 62
von Jürgen Otten

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