Offene Möglichkeiten

Das Festival della Valle d’Itria in Martina Franca verknüpft Strawinskys «Pulcinella» mit Alfredo Casellas «La favola di Orfeo», gräbt Francesco Provenzales «Il schiavo di sua moglie» aus und zeigt die Urfassung von Bizets «Carmen»

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Das Motto der zweiten Festival-Ausgabe unter Leitung der Komponistin Silvia Colasanti lautet «Mediterraneo». Gemeint ist damit weniger ein geographischer Raum als vielmehr ein kulturelles Gedächtnis. Die drei Opernproduktionen erzählen nicht vom Vergangenen als Museum, sondern von dessen Ursprung als künstlerischer Möglichkeit. Der Eröffnungsabend verbindet dabei zwei Werke, die auf den ersten Blick kaum zueinander passen – Strawinskys «Pulcinella» (1920) und Alfredo Casellas «La favola di Orfeo» (1932).

Hier die neoklassizistische Travestie nach Pergolesi und der neapolitanischen Commedia dell’Arte; dort die auf das Wesentliche reduzierte Neuerzählung des antiken Mythos. Regisseurin (und Choreographin) Jean Renshaw gelingt es jedoch, beide Stücke als kohärente Hälften eines Theaterabends zu lesen. Ihr «Pulcinella» wird zum Vorspiel des späteren Orpheus-Dramas: Am Ende triumphieren Liebe und Leben, im «Orfeo» herrschen Verlust, Verzicht und Tod. Bühnenbildnerin Sophia Debus unterstreicht diese Spiegelstruktur mit denkbar einfachen Mitteln. Eine weiße Wand mit einem einzigen monumentalen Tor bestimmt den «Pulcinella»-Teil; ohne eigentliche Zäsur kehrt sie im «Orfeo» in schwarzem ...

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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 40
von Stefano Nardelli

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