Das Mädchen aus dem goldenen Westen
Daniel Barenboim ist an allem schuld. Der Maestro höchstselbst hat damals die Filmregisseurin angerufen – nachdem ihm jemand ein Video ihrer Komödie «Männer» zugespielt hatte – und sie rundheraus gefragt, ob sie nicht bei ihm an der Berliner Staatsoper Unter den Linden Mozarts «Così fan tutte» inszenieren wolle. Ganze zweimal war Doris Dörrie davor in der Oper gewesen, als Kind mit ihren Eltern in der «Zauberflöte» und später noch einmal mit ihrer eigenen Tochter, wiederum in der «Zauberflöte». Und trotzdem hat sie Ja gesagt.
«Weil es für mich ein Trip in ein fremdes Land war. Und ich bin einfach wahnsinnig gern in fremden Ländern», erklärt sie lachend. «So exotisch fand ich bisher allerdings keines.»
Seit diesen Tagen im Frühjahr 2001 ist Doris Dörrie opernsüchtig. Doch die 1955 geborene studierte Filmemacherin, die seit «Keiner liebt mich», «Bin ich schön?» und «Erleuchtung garantiert» als Spezialistin der Geschlechterkampf-Komödie gilt, begnügt sich nicht damit, die Stücke vom dunklen Zuschauerraum aus zu genießen. Nein, sie will möglichst viele Menschen von ihrer neuen Leidenschaft überzeugen: «Ich verstehe nicht, warum die Opernwelt so eine abgetrennte Kunst ist. Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Plötzlich durften sich alle anfassen: Vater und Tochter, Bruder und Schwester, Gott und Gattin. Sie waren so verdutzt, dass sie ihre Hände und Hüften kaum richtig nutzen konnten. Denn ihre Körper waren bisher vor allem Klangkörper und deshalb auf ganz andere Dinge geeicht, zumindest solange sie auf einer Bühne ausgestellt und angestrahlt wurden: auf Statik,...
«Fünftklassig» – so wurde Ottorino Respighi durch seinen Enkelschüler György Ligeti eingestuft. Es darf bezweifelt werden, ob Ligetis stupendes musikhistorisches Bewusstsein hier mehr als nur die römische Orchestertrilogie parat hatte. Denn angesichts der jetzt erstmals eingespielten Oper «La Campana sommersa» (1923-1927) bedarf das gängige Respighi-Bild dringend...
Während sich in Prokofjews Oper «Die Liebe zu den drei Orangen» das Publikum zu Beginn noch balgt, weil die einen zu Tränen gerührt werden, die anderen nur Tränen lachen wollen, tragen in Francesca Zambellos Inszenierung schnell schwule Opera-Buffs den Sieg davon. Die nützen das Tohuwabohu und stürzen sich mit beglückten Ahs und Ohs ins Vergnügen: Da tänzeln sie...
