Das Mädchen aus dem goldenen Westen
Daniel Barenboim ist an allem schuld. Der Maestro höchstselbst hat damals die Filmregisseurin angerufen – nachdem ihm jemand ein Video ihrer Komödie «Männer» zugespielt hatte – und sie rundheraus gefragt, ob sie nicht bei ihm an der Berliner Staatsoper Unter den Linden Mozarts «Così fan tutte» inszenieren wolle. Ganze zweimal war Doris Dörrie davor in der Oper gewesen, als Kind mit ihren Eltern in der «Zauberflöte» und später noch einmal mit ihrer eigenen Tochter, wiederum in der «Zauberflöte». Und trotzdem hat sie Ja gesagt.
«Weil es für mich ein Trip in ein fremdes Land war. Und ich bin einfach wahnsinnig gern in fremden Ländern», erklärt sie lachend. «So exotisch fand ich bisher allerdings keines.»
Seit diesen Tagen im Frühjahr 2001 ist Doris Dörrie opernsüchtig. Doch die 1955 geborene studierte Filmemacherin, die seit «Keiner liebt mich», «Bin ich schön?» und «Erleuchtung garantiert» als Spezialistin der Geschlechterkampf-Komödie gilt, begnügt sich nicht damit, die Stücke vom dunklen Zuschauerraum aus zu genießen. Nein, sie will möglichst viele Menschen von ihrer neuen Leidenschaft überzeugen: «Ich verstehe nicht, warum die Opernwelt so eine abgetrennte Kunst ist. Die ...
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Eine Musikkomödie als Nationaloper: So etwas gibt es nur in Dänemark. Carl Nielsens «Maskarade» (1906) hat nichts von schwerblütiger nordischer Spätromantik, sondern atmet den graziösen Geist des Settecento, entspricht damit genau dem Sujet, das von dem dänischen Molière Ludvig Holberg stammt. Die vorzügliche Decca-Aufnahme der Oper (1996) unter Ulf Schirmer hat...
Von Antonín Dvoˇráks zehn Opern hat es mit «Rusalka» gerade mal eine ins internationale Repertoire geschafft. «Jakobín» («Der Jakobiner») dagegen blieb schon wegen seines ausgeprägt folkloristisch und parodistisch überwölbten ernsten Sujets ein Außenseiter, der auch den Komponisten dramaturgisch nicht überzeugte – weshalb Dvoˇrák Jahre nach der Uraufführung (1889)...
Das schwäbische Label UraCant ist immer wieder für Überraschungen gut. Es produziert nur Weniges, aber das sehr gezielt. Die beiden jüngsten Veröffentlichungen sind zwei Sängerinnen gewidmet, die zwar auch internationale Erfolge hatten, deren künstlerischer Schwerpunkt aber über einige Jahrzehnte die Stuttgarter Staatsoper war: der Mezzosopranistin Hetty Plümacher...
