Das Licht in ihrem Dunkel
Wie das Wetter war? Vermutlich eisig. Vielleicht blinzelte an diesem 3. November 1843 in Sankt Petersburg hier und da mal die Sonne durch die grauen Ritzen, die Temperaturen dürften aber eher unter null Grad gelegen haben. Zumindest draußen. Drinnen jedoch, im Bolschoi Theater, glühte es, und das nicht nur der bullernden Heizung wegen. Nein, es war jene Dame, die auf der Bühne ihr russisches Debüt als Rosina in Rossinis berühmtester Oper gab (einer Rolle, die schon ihre viel zu jung verstorbene Schwester Maria Malibran gesungen hatte), die das Publikum schwitzen ließ vor Begeisterung.
Pauline Viardot-García. Stern aller Sopransterne, wobei, so ganz stimmt das mit dem Sopran nicht, sie war, nach heutigem Ermessen, wohl eher eine Mezzosopranistin. Aber das tut wenig zur Sache. Wesentlicher war, dass sechs Minuten genügten (so lange dauerte die Arie der Rosina «Una voce poco fa» aus dem «Barbiere di Siviglia»), bis selbst die höchsten Würdenträger im Saal von den Socken waren.
Orlando Figes beschreibt die Szene in seinem Buch «Die Europäer» sehr anschaulich: Wie sie da auf der Stuhlkante sitzen, die befrackten Repräsentanten des Russischen Reichs, neben sich ihre überwiegend in Weiß ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Essay, Seite 56
von Jürgen Otten
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Die Geschichte ist, nun ja, etwas seltsam: Ein eifersüchtiger Pastor trifft auf einen schwächlichen Nebenbuhler, der vom jähzornigen Schwiegervater getötet wird, die untreue Gattin bittet ihren frisch geschiedenen Ex-Mann um eine Beichte, und am Ende steht das christliche Verzeihen, wovon wiederum der getötete Liebhaber herzlich wenig hat. Schon 1850, während der...
Zahlreiche Uraufführungen und Theaterskandale hat das Théâtre des Champs-Élysées im teuersten Quartier von Paris einst gesehen, so etwa Strawinskys «Sacre»-Ballett mit Vaslav Nijinsky. Heute ist das Theater ein Spielort des internationalen Konzertbetriebs und exquisiter Opernprodukionen, häufig aus dem Segment der historischen Aufführungspraxis.
Claude Debussys...
