«Das letzte Wort hat die Musik»
Es ist eine der ältesten Opernfragen: «prima la parole?» Oder doch «prima la musica?» Die musikhistorische Wertung scheint da eine einfache Antwort zu kennen: Der Text einer Oper ist immer getreuer Diener von Frau Musica. Doch schon die inhaltlichen Handlungsvorgaben eines Musiktheaters rühren eben nicht so einfach aus dem Klingenden selbst, es bedarf hier schon kluger Textdisposition, die Musik zum Handlungsträger werden lässt. Eine Portion Bescheidenheit muss ein Librettist aber mit sich bringen, denn er wird in der Regel immer erst an zweiter Stelle genannt.
Eine solche Tugend hat der Autor und Filmemacher Händl Klaus ohne Zweifel. Das Verfassen von Libretti ist bei ihm keine Nebensache. Denn das ursprüngliche Schreiben fürs Sprechtheater hat er nahezu aufgegeben und mittlerweile zwölf Texte für unterschiedliche Komponisten verfasst. Und dies mit der größtmöglichen Leidenschaft
Lieber Händl Klaus, beinahe jedem Anfang wohnt bekanntermaßen ein Zauber inne. Wie war es bei Ihnen?
Am Anfang stand das Spielen, Spielenwollen. Ich sah als Kind von zehn Jahren eine Vorstellung des «Liliom» am Tiroler Landestheater und war von diesem Mensch-Sein auf offener Bühne überwältigt. Damals ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Händl Klaus, Seite 54
von Bernd Künzig
Dass der Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. So auch Meyers Nachtstück Im Stein, welches in grellen Bildern die Suche einer durch den Mauerfall schwer irritierten Generation nach ihrer Identität und nach dem Sinn des Lebens schildert. An den Bühnen Halle sollte eigentlich in dieser...
Das Erschreckende in der vergangenen Spielzeit war für mich die Irrelevanz quasi des gesamten Kulturbetriebs. Systemrelevanz? Fehlanzeige! Das sah beziehungsweise sieht man auch jetzt noch, selbst bei begrenzter Platzauslastung bleiben erhebliche Teile des früheren Publikums weg.
Ein weiterer Schock: wie ungelenk manche Häuser und Institutionen mit der Krise...
Es war eine Uraufführung von bleibendem Wert: Marc-André Dalbavies Musiktheater Le soulier de satin am Palais Garnier der Opéra de Paris führte den Beweis, dass ein schier unspielbares Theaterstück als Oper funktioniert. Der Komponist, der sein Werk selbst dirigierte, und seine Librettistin Raphaèle Fleury verwandelten Claudels Menschheitsparabel in ein «lustvolles...
