«Das letzte Wort hat die Musik»
Es ist eine der ältesten Opernfragen: «prima la parole?» Oder doch «prima la musica?» Die musikhistorische Wertung scheint da eine einfache Antwort zu kennen: Der Text einer Oper ist immer getreuer Diener von Frau Musica. Doch schon die inhaltlichen Handlungsvorgaben eines Musiktheaters rühren eben nicht so einfach aus dem Klingenden selbst, es bedarf hier schon kluger Textdisposition, die Musik zum Handlungsträger werden lässt. Eine Portion Bescheidenheit muss ein Librettist aber mit sich bringen, denn er wird in der Regel immer erst an zweiter Stelle genannt.
Eine solche Tugend hat der Autor und Filmemacher Händl Klaus ohne Zweifel. Das Verfassen von Libretti ist bei ihm keine Nebensache. Denn das ursprüngliche Schreiben fürs Sprechtheater hat er nahezu aufgegeben und mittlerweile zwölf Texte für unterschiedliche Komponisten verfasst. Und dies mit der größtmöglichen Leidenschaft
Lieber Händl Klaus, beinahe jedem Anfang wohnt bekanntermaßen ein Zauber inne. Wie war es bei Ihnen?
Am Anfang stand das Spielen, Spielenwollen. Ich sah als Kind von zehn Jahren eine Vorstellung des «Liliom» am Tiroler Landestheater und war von diesem Mensch-Sein auf offener Bühne überwältigt. Damals ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Händl Klaus, Seite 54
von Bernd Künzig
200 Jahre Einsamkeit? Weit gefehlt. Carl Maria von Webers «Freischütz», 1821 im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (unter der musikalischen Leitung seines Schöpfers) in die Welt gekommen, ist der Deutschen liebstes romantisches Opernkind. Was wiederum auch nicht stimmt, denn die imaginäre Sprache des Waldes, die in diesem Bühnenwerk hörbar wird, fand...
Der unbeugsame Wille zur Macht wird ihm zum Verhängnis. Schon bei Shakespeare. Und ebenso in Giuseppe Verdis Vertonung, einem der dunkelsten Stücke aus der Feder des italianischen Komponisten. Macbeth wird letzlich Opfer seiner (Macht-)Fantasien. Wenn man Luca Salsi an der Wiener Staatsoper erlebt hat, weiß man, wie nahe er dem Irrsinn dabei kommt. Salsi entpuppt...
Dass der Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. So auch Meyers Nachtstück Im Stein, welches in grellen Bildern die Suche einer durch den Mauerfall schwer irritierten Generation nach ihrer Identität und nach dem Sinn des Lebens schildert. An den Bühnen Halle sollte eigentlich in dieser...
