Das intensive Leben
Noch vor ein paar Jahren galt die Musik des 1880 in Moskau geborenen und 1951 in London gestorbenen Komponisten und Pianisten Nikolai Medtner als «Randrepertoire», als «Spezialsache für Spezialisten». Der vielfach ausgezeichnete Pianist Severin von Eckardstein war einer der Ersten, die sich selbstbewusst für Medtner aussprachen. 2007 spielte er erstmals prominent Klavierwerke Medtners auf CD ein. Seitdem hat sich Medtner gleichsam posthum herangekämpft und gilt inzwischen schon fast als ein «russischer Klassiker».
Nun legen die Mezzosopranistin Ekaterina Levental und der Pianist Frank Peters die vierte Folge ihrer Beschäftigung mit den Kunstliedern dieses Komponisten vor.
Den Anfang machen die «Neun Lieder nach Goethe op. 6» von 1905. Medtner hatte deutsche Vorfahren, nach der Oktoberrevolution emigrierte er 1921 nach Deutschland und lebte bis 1924 in Berlin. Die Dichtungen Goethes und Heines hatten es ihm angetan, die deutsche Sprache sowieso. So konnte Medtner die Gedichte mit leichter Hand auch auf Deutsch vertonen.
Fast schon beschwingt gehen sich die ersten beiden (dem Klavier allein vorbehaltenen) Takte von «Wandrers Nachtlied» bei Medtner aus. Von Schubert’scher ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Arno Lücker
Gleich zu Beginn seines philologisch ausgefeilten Begleittextes zur Aufnahme mit Mahlers «Lied von der Erde» stellt Peter Gülke eines unwiderruflich in den Raum: Die vorliegende Version für Klavier stelle «keine Vorstufe zur Orchesterfassung» dar, sie stehe «gleichberechtigt neben ihr». Damit nimmt der renommierte Musikwissenschaftler (und Dirigent) a priori all...
Eigentlich war, sieht man von den Wolken ab, die mürrisch über dem Festspielhaus kreisten und einen missmutigen Blick auf Arno Brekers frisch eingeweihte Wagner-Büste warfen, vieles wie immer an diesem 16. August 1955 in Bayreuth. Auf dem Programm stand Wieland Wagners «Parsifal»-Inszenierung, die ihre Premiere vier Jahre zuvor, bei den ersten Bayreuther...
Stille Nacht. Aber keine heilige. Eher eine traurige. Schon jene fünf Akkorde, mit denen Schuberts Lied «Der Doppelgänger» auf Verse von Heinrich Heine anhebt, verraten viel über die Stimmungslage des einsamen Wanderers, wie wir ihn (und sein meist leises Flehen) schon aus der «Winterreise» kennen. Die Liebste ist unerreichbar fern, das Leben ein einziger...
