Gespenstersonate
Der Nebel kriecht aus den Poren der Zuschauertribüne über die weitgestreckte Bodenfläche der Alten Schildkrötfabrik, der Ausweichspielstätte des Nationaltheaters Mannheim. In diesen wabernden Schwaden ist alles unheimlich. Regisseurin Rahel Thiel nutzt das meteorologische Element als Hauptrolle, um Peter Maxwell Davies’ Kammeroper «The Lighthouse» über das rätselhafte Geschehen in einem Leuchtturm auf einer abgelegenen schottischen Insel in Szene zu setzen. Der Nebel gebiert Ungeheuer.
Im Prolog vor dem Untersuchungsgericht berichten Offiziere der Ablösungsmannschaft, was sie vorgefunden haben, können aber nicht erklären, wie und warum die Besatzung verschwunden ist. Dann gleiten die Zeugen in die Rollen der Verschwundenen.
In zweiten Teil der Oper («Der Schrei des Biests») erleben wir in einer Rückblende, was geschehen sein könnte. Gegen die Langeweile im isolierten Leuchtturm, im alles umhüllenden Nebel, umspült von der tobenden See, spielen sie Karten und singen sich Lieder vor. Blazes gibt eine Hillbilly-Ballade über die Ermordung einer Frau durch einen jugendlichen Tunichtgut zum Besten.
Der Mord wird dem Vater angehängt, die Mutter tötet sich selbst. Sandys Liebessehnsucht ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Bernd Künzig
Der Mann ist ein Mirakel. Wo immer er auftaucht, liegen ihm die Herzen der Damen augenblicklich zu Füßen. Auch hier, am Rande der Straße, von der Don Giovanni, begleitet von Leporello, vermutlich kurz zuvor abgekommen ist mit seinem schicken Sportwagen, der nun, mächtig zerbeult, an der Grenze eines gemähten Kornfelds neben dem einzigen Baum steht, der weit und...
Am wirkungsvollsten kommt der Chor zum Einsatz. Am Anfang ist die Menschenmenge das Meer selbst, ein schemenhaftes, ruhiges, aber unerbittliches Meer. Es schwappt im Halb-, im Dreivierteldunkel näher an den Bühnenrand, schwappt wieder zurück und speit schließlich Peter Grimes aus, der doch einer von ihnen ist, ein Mensch wie die anderen auch, der in der...
Im Wien des malerischen Goldgrunds finden wir uns auf diesem Album, spüren das besondere Flair des Fin de Siècle von Klimt und Schiele, Schnitzler und Freud. Und auch jenes von Alma Mahler, jener Frau, die dieses Wien lebte wie kaum eine andere. Eine Hochbegabte, die aufgrund der damaligen fest verfügten Geschlechterordnung ihr musikalisches Talent zunächst kaum...
