Gespenstersonate
Der Nebel kriecht aus den Poren der Zuschauertribüne über die weitgestreckte Bodenfläche der Alten Schildkrötfabrik, der Ausweichspielstätte des Nationaltheaters Mannheim. In diesen wabernden Schwaden ist alles unheimlich. Regisseurin Rahel Thiel nutzt das meteorologische Element als Hauptrolle, um Peter Maxwell Davies’ Kammeroper «The Lighthouse» über das rätselhafte Geschehen in einem Leuchtturm auf einer abgelegenen schottischen Insel in Szene zu setzen. Der Nebel gebiert Ungeheuer.
Im Prolog vor dem Untersuchungsgericht berichten Offiziere der Ablösungsmannschaft, was sie vorgefunden haben, können aber nicht erklären, wie und warum die Besatzung verschwunden ist. Dann gleiten die Zeugen in die Rollen der Verschwundenen.
In zweiten Teil der Oper («Der Schrei des Biests») erleben wir in einer Rückblende, was geschehen sein könnte. Gegen die Langeweile im isolierten Leuchtturm, im alles umhüllenden Nebel, umspült von der tobenden See, spielen sie Karten und singen sich Lieder vor. Blazes gibt eine Hillbilly-Ballade über die Ermordung einer Frau durch einen jugendlichen Tunichtgut zum Besten.
Der Mord wird dem Vater angehängt, die Mutter tötet sich selbst. Sandys Liebessehnsucht ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Bernd Künzig
Am Anfang sind da nur Blicke. Spinnenfeindliche, von gegenseitigem Hass durchtränkte Blicke. Hier die Königin von England, im jungfräulich weißen Ornat; dort die Königin von Schottland, ganz in Witwenschwarz gewandet (die wallenden, rauschenden, den Boden geräuschvoll fegenden Kostüme schuf Klaus Bruns). Um sie herum Stille und Leere: vielsagend. Denn zwischen...
Kaum ein Land mit regelmäßigem Opernbetrieb bleibt von Richard Wagner unberührt. Auch nicht eines der ärmsten Europas: Bulgarien. Über vier Jahre hinweg (von 2010 bis 2013) präsentierte die Oper von Sofia einen eigenen «Ring» und blieb dabei auf mehrfacher Ebene (trotz sinnender Sehnsucht nach Bayreuth) ganz «Zuhause»: Praktisch das ganze Team stammt ursprünglich...
Ein Ast wird abgesägt, fällt raschelnd vor dem Vorhang nieder, noch bevor die Pauken und Fagotte der Dortmunder Philharmoniker in Mimes Höhle entführen. So war es bereits im vergangenen Jahr bei der «Walküre» an der Oper Dortmund, so könnte es werden im kommenden Jahr beim «Rheingold». Die Weltesche ist immer schon angetastet, das Verhältnis des Menschen zur Natur...
