Gespenstersonate
Der Nebel kriecht aus den Poren der Zuschauertribüne über die weitgestreckte Bodenfläche der Alten Schildkrötfabrik, der Ausweichspielstätte des Nationaltheaters Mannheim. In diesen wabernden Schwaden ist alles unheimlich. Regisseurin Rahel Thiel nutzt das meteorologische Element als Hauptrolle, um Peter Maxwell Davies’ Kammeroper «The Lighthouse» über das rätselhafte Geschehen in einem Leuchtturm auf einer abgelegenen schottischen Insel in Szene zu setzen. Der Nebel gebiert Ungeheuer.
Im Prolog vor dem Untersuchungsgericht berichten Offiziere der Ablösungsmannschaft, was sie vorgefunden haben, können aber nicht erklären, wie und warum die Besatzung verschwunden ist. Dann gleiten die Zeugen in die Rollen der Verschwundenen.
In zweiten Teil der Oper («Der Schrei des Biests») erleben wir in einer Rückblende, was geschehen sein könnte. Gegen die Langeweile im isolierten Leuchtturm, im alles umhüllenden Nebel, umspült von der tobenden See, spielen sie Karten und singen sich Lieder vor. Blazes gibt eine Hillbilly-Ballade über die Ermordung einer Frau durch einen jugendlichen Tunichtgut zum Besten.
Der Mord wird dem Vater angehängt, die Mutter tötet sich selbst. Sandys Liebessehnsucht ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Bernd Künzig
Mit der Eröffnung des venezianischen Teatro di San Cassiano im Jahr 1637 für ein zahlendes Publikum wurde aus der hochartifiziellen höfischen Oper eine öffentliche, kommerzialisierte Kunstform. Zu den ersten Komponisten, die diesen Weg einschlugen, gehörte neben Benedetto Ferrari, Francesco Manelli, Francesco Sacrati und dem greisen Monteverdi auch Francesco...
Im Wien des malerischen Goldgrunds finden wir uns auf diesem Album, spüren das besondere Flair des Fin de Siècle von Klimt und Schiele, Schnitzler und Freud. Und auch jenes von Alma Mahler, jener Frau, die dieses Wien lebte wie kaum eine andere. Eine Hochbegabte, die aufgrund der damaligen fest verfügten Geschlechterordnung ihr musikalisches Talent zunächst kaum...
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an jene fernen Zeiten, da Verträge in der Welt der Musik noch abgeschlossen wurden, weil die Unterzeichnenden damit eine Verpflichtung verbanden, im besten Fall sogar Visionen. Ein Vertrag, das war vor allem ein Bündnis, das man schmiedete, weil man «Großes» vorhatte – gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern im Graben oder...
