Das Grauen geht weiter

Evgeny Titov vermengt in Bergs «Wozzeck» an der Oper Graz überaus gekonnt christliche Anspielungen, Symbolismus und Wimmelbilder. Vassilis Christopoulos erweist sich als sorgfältiger Sachwalter der Partitur

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Dieser «Wozzeck» ist ein Naturereignis – in doppeltem Sinne. Zum einen gilt das für die ganze Aufführung: Im Nu ist man gefangen in einer düsteren Phantasmagorie, einer dunklen Welt mystischen Leidens voll süßer Schmerzen und gruseliger Rätsel, in der Verschwisterung mittelalterlicher und neuzeitlicher, im wahrsten Sinne brand -aktueller Dystopien, die optisch an Netflix & Co. geschult sind.

Neunzig pausenlose, außerordentlich dichte Minuten lang hält einen dieses Geschehen gefangen.

Am Pult erzielt Vassilis Christopoulos als sorgfältiger Sachwalter von Alban Bergs zugleich genial gebauter und genial erfühlter Partitur mit klar ordnender Hand ein niemals gehetztes, aber doch zielstrebiges Vorwärts. Nicht jeder Ton der Grazer Philharmoniker gelingt perfekt, aber immer treffen sie den Ausdruck und haben die Instrumentalsoli Charakter. Auf die so erzielte Spannung reagiert das Premierenpublikum, indem es auch zwischen den Akten nicht zu applaudieren wagt. Da es auch in diesen Minipausen fast so schnell weitergeht wie von Szene zu Szene, erhält das Ganze eine filmische, quasi-realistische Konsequenz. Zum Naturereignis wird Evgeny Titovs Inszenierung aber auch, weil sie im ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Walter Weidringer

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