Sonniger Heldentenor
Kurz vor Hagens tödlichem Stich passiert das meist. Wenn der Held zurückblickt, von Vöglein und brünstiger Maid erzählt und dabei von wachsender Begeisterung erfüllt sein sollte. Allein: Die Stimmbänder sind kurz vor dem Ausleiern. Acht Stunden Siegfried an zwei Tagen – wer soll das packen? Wolfgang Schmidt genoss (anders als die meisten Kollegen) diese Szene der «Götterdämmerung». Der Mann hatte Spaß und sang diese Pas -sagen auch genau so. Ohnehin hörte sich Wagners Siegfried bei ihm selten nach Maloche an.
Es war, als habe sich da ein Stück Operette ins Allerheiligste gemogelt.
Wolfgang Schmidt, 1956 im hessischen Melsungen geboren, war einer der nimmermüdesten Heldentenöre. Bayreuth musste einfach auf ihn vertrauen. Dabei war Wolfgang Wagner Ende der 1980er-Jahre eigentlich auf der Suche nach einem Walther für einen «Tannhäuser». Der Komponisten -enkel reiste nach Düsseldorf und schickte Wolfgang Schmidt prompt zu Giuseppe Sinopoli. Der lehnte den Tenor ab mit einer gern erzählten Anekdote: «Wenn Sie die Nebenrolle singen – wer soll dann die Hauptrolle singen?» Dabei fehlte Schmidt der klassische vokale Zuschnitt eines Heldentenors. Kein bronzenes Timbre, kein edler, ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 93
von Markus Thiel
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