Im Puppenheim
Die Räume im Palast mögen weiträumig sein, dennoch herrscht klaustrophobische Enge. Jedenfalls für Lisa. Die junge Frau steckt in einem Kinderzimmer fest wie in zu klein geratenen Kleidern. Dass ihre Puppen mitwuchsen, schränkt die ohnehin geringe Bewegungsfreiheit noch weiter ein. Lisa haust im Puppenheim. Infantilisiert, letztlich entmündigt. Den prospektiven Gemahl Jelezki hat sie nicht selbst erwählt. Während die überbehütete und bewachte Enkelin der Gräfin unter ihrer Einzwängung leidet, streunt Hermann am äußersten Rand der Adels- und Offizierswelt einher.
Beim Kartenspiel hohe Summen zu wagen, verspricht nicht allein Nervenkitzel, es ist für die blaublütigen Kombattanten auch eine Prestigeangelegenheit – und der bürger -liche Militäringenieur zum Zusehen verdammt. Aussichtslos, eine Dame der feinen Gesellschaft wie Lisa als Braut heimzu -führen ...
Regisseurin Marie Lambert-Le Bihan liegt nicht an der Poetisierung romantischer Liebe über Standesgrenzen hinweg. Die Klassengesellschaft ist in ihrer Inszenierung unerbittlich. Wer ihren Regeln nicht willfährig folgt, wird aussortiert. In den Suizid getrieben, auf dass die dünkelhafte Elite ihre Hände in Unschuld wasche. Die ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Kaminski
Das Projekt liest sich toll: «Die Fritjof-Saga» der schwedischen Komponistin, Organistin, Telegrafistin und Frauenrechtlerin Elfrida Andrée erlebt im Aalto-Musiktheater Essen ihre stark verspätete szenische Uraufführung, das Libretto zur Oper schrieb keine Geringere als die spätere Literaturnobelpreisträgerin Selma Lagerlöf. Andrée reichte die Partitur anonym 1894...
Für das stetig anwachsende Interesse an der französischen Oper des 18. Jahrhunderts gibt es zahlreiche und vielfältige Gründe. Einer der wichtigsten ist wohl das Engagement des Centre de musique baroque de Versailles, das nicht nur exzellente Editionen bisher kaum beachteter Bühnenwerke herausgibt, sondern ganz bewusst auch Aufnahmen dieser Raritäten initiiert und...
Siegfried, Bergfried, Gottfried oder Wahnfried – das klingt nach germanischem Musikdrama, nach bürgerlichem Ernst, Leitmotivik und Sitzfleisch. Genauso knietief in der Nationalromantik steckt «Zornfried», der 2019 erschienene Roman von Jörg-Uwe Albig, den Philipp Krebs nun als großes Musiktheater für das Staatstheater Kassel komponiert hat. Die Geschichte beginnt...
