Das Gewicht der Welt
Wir stellen uns die Szene vor. Ein Mensch, einsam beschwert, in der Natur. Schwere Wolken über ihm, neben ihm, in ihm. Er weiß, die Wanderung, die er antritt, wird ihn auf eine Straße bringen, «die noch keiner ging zurück». Und so marschiert er los, ein Riesengepäck auf seiner Seele – aber auf samtenem Klangpfade. Bereits die ersten silbrig-verhangenen Töne der «Winterreise» zeigen, was für ein begnadeter Liedgestalter Gerold Huber ist, insbesondere bei Schubert. Für gewöhnlich steht an seiner Seite Christian Gerhaher.
Nun aber ist es, eine Stimmlage tiefer, sehr profund, der Bass Günther Groissböck.
Anfangs mutet dessen wohlgerundete, dunkel timbrierte Stimme noch etwas behäbig an, so als liege ein Gazeschleier auf ihr, irgendwie gestaut, überwölbt; auch die Agogik wirkt übersteuert, zu sehr gedehnt, beispielsweise in «Auf dem Flusse». Doch mit jedem weiteren Lied befreit sich Groissböck, wird sein bestechender interpretatorischer Ansatz deutlich: Der Wanderer, den er im Sinn hat, trägt – atlasgleich, ohne Atlas zu sein – das ganze Gewicht der Welt. Selbst einen «Frühlingstraum» kann er nicht unbedarft träumen. Diese Ausweglosigkeit des romantischen Individuums beschreiben ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Jürgen Otten
alpha
04.06. – 11:00 Uhr
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Im Rahmen der Dmitri Schostakowitsch gewidmeten Retrospektive
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