Das ersetzte Tischbein
Amadeus, der grelle Faun, beim Billardspielen komponierend, den Damen keck unter die Röcke greifend: Tom Hulce hat ihn bei Milos Forman so dargestellt. Solch triviale Popularität, die Mozart sich vermutlich nicht gewünscht hätte, hat Joseph Haydn nie erreicht, und so ist das diesjährige Jubiläum des Komponisten (zur 200. Wiederkehr seines Todestages) auch weit weniger von Hype begleitet wie das Mozart-Jahr vor drei Jahren. Haydn-Würstchen oder -Biere bleiben uns erspart; andererseits bringt das Gedenkjahr lange an den Rand gedrängte Werke erneut ins Bewusstsein.
Beispielsweise Haydns 1770 zur Hochzeit einer Nichte Fürst Nikolaus Esterházys uraufgeführte musikalische Komödie «Le pescatrici» («Die Fischerinnen») nach Carlo Goldoni – ein erotisches Verwechslungsspiel nicht unähnlich jenem von Händels gerade im Theater an der Wien präsentierter «Partenope» (siehe Seite 8), doch weit harmloser. Die Oper ist nur als Fragment vorhanden; das Originalmaterial wurde möglicherweise beim Brand des Esterházer Schlosstheaters 1779 vernichtet.
In der nun an der Wiener Kammeroper benutzten, aus den 1960er Jahren stammenden Fassung des Werks haben der Haydn-Spezialist H. C. Robbins Landon und der ...
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In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...
Von Londons Bussen heißt es, erst käme keiner – und dann gleich drei auf einmal. Ähnliches könnte man von «Partenope» sagen. Für die zweite Londoner Akademie Händels geschaffen, inspiriert von der Opera seria neapolitanischer Faktur, war dieses 1730 uraufgeführte Werk lange ein Geheimtipp für Kenner– trotz bemerkenswerter Aufführungen wie etwa jene 2001 bei den...
Um Hermann Becht war Freundlichkeit, Fairness und ein untrüglicher Sinn für Gerechtigkeit. Auf langen, entnervenden Proben konnte er, ohne ein Wort, seine Kolleginnen und Kollegen zum Durchhalten ermuntern. Aber wenn eine Probe sinnlos war, eine Disposition unprofessionell, ein Regisseur auf unangenehme Weise egoman, dann machte er den Mund auf und sagte, was Sache...
