DAS BOSHAFTE KOLLEKTIV

Halévy: La Juive KIEL | THEATER

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Wenn die Vorderseiten und Rückwände von Fachwerkhäusern mit all ihren privaten Innen- und öffentlichen Außenansichten als gleichsam biedermeierlich verniedlichte Versatzstücke eines zitierten Spätmittelalters über die Drehbühne des Theater Kiel geschoben werden, legen Regisseurin Luise Kautz und ihr Bühnenbildner Valentin Mattka listigklug eine falsche Fährte.

Denn nichts läge dem Team ferner, als einen historisierenden bunten Bilderbogen zu inszenieren, der das Konzil von Konstanz des Jahres 1414 nachzeichnen würde, jenen Hintergrund von Fromental Halévys Monumentaloper «La Juive», in der auf Eugène Scribes Libretto von der Pogromstimmung berichtet wird, mit der die katholische Mehrheitsgesellschaft einst der jüdischen Minderheit das Leben schwer machte. Die Vielen duldeten die Wenigen und müssen dies im reinen Wortsinn sogar als Akt der Toleranz empfunden haben: als ein Aushalten jener Abweichler, die in der vergleichsweise offenen Gesellschaft einer freien deutschen Reichsstadt insoweit willkommen waren, als dass sie dem Gemeinwesen ökonomische Vorteile brachten. Doch das Potenzial zur Aggression schwelt stets unterschwellig wie die Glut unter der Oberfläche, die jederzeit ...

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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Peter Krause

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