GELUNGENES WAGNIS
Oper light war gestern: Bei der Premiere von Gounods «Roméo et Juliette» wurde in Kaiserlautern wieder aus dem Vollen geschöpft: Rosarote Flamingos, glitzernde Kugelfische, Hummer, Libellen, schillernde Pfauen und anderes Getier rotierten in wildem Farbwirbel über die Bühne. Nach den vielen abgespeckten Kammerfassungen, die in den vergangenen zwei Jahren pandemiebedingt auf den Opernspielplänen den Ton angaben, wirkte die Rückkehr der Grand Opéra auf die Bühne des Pfalztheaters wie ein Befreiungsschlag.
Erstmals war dort wieder ein Werk in voller Orchesterbesetzung mit großem Chor und Extrachor zu erleben.
Sowohl das von Daniele Squeo dirigierte Orchester, das im Vorspiel mit stürmischen Streicherbewegungen und dramatischen Bläserfanfaren aufbrandete, als auch der von Gerhard Polifka geleitete Opernchor, dessen kernig-fokussierter Gesang eine düstere Spannung erzeugte, die sich wie ein Schwelbrand durch das gesamte Stück ausbreitete, schienen auf diesen Moment gewartet zu haben. Die explosive Macht der Musik bildeten in Mareike Zimmermanns Inszenierung gemeinsam mit den fantasiereichen Kostümen einen effektvollen Kontrast zur kargen steinernen Gebäudekulisse, die Ausstatterin ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Silvia Adler
Männer in Unterhosen? Es gibt Erbaulicheres. Andererseits muss ein jeder Casanova, um zu seinem erklärten Ziel zu gelangen, diesen Weg der (Selbst-)Erkenntnis zwangsläufig beschreiten. Auch Don Giovanni, edler Herr mit nicht ganz so edlen Absichten, ist im (hier unsichtbaren) Schlafzimmer von Donna Anna anscheinend gerade so weit vorgedrungen, als das empfindsame...
Ist so etwas denkbar? Ein Komponist, der von sich selbst sagt, auf ihn treffe diese Bezeichnung gar nicht zu? Federico Mompou, glamouröser Außenseiter und Schöpfer etlicher irrlichternd-poetischer Klavierstücke, vertrat diese Ansicht, und das mit vollem Ernst: «Ich habe immer dagegen protestiert, wenn man mich einen Komponisten genannt hat – ich bin kein Komponist...
