HELLHÖRIG
Einen so prosaischen, beachtlich unmusikalischen Einstieg in Giuseppe Verdis Ägyptenoper «Aida» wie jetzt am Theater Chemnitz hat man noch nicht erlebt: Verdis Vorspiel schweigt, wenn der Vorhang sich öffnet und den Blick aufs pralle Bühnenleben freigibt. Sind wir im zweiten Bild von Puccinis «Bohème», im Menschentrubel des Pariser Quartier Latin? Bunt gewandete, nervös posierende Menschen drängeln sich minutenlang ohne Musik herum. Dass die schöne Sklavin Aida an einem solchen Ort ihr Liebesleid besingen und beweinen soll, erscheint unwahrscheinlich.
Klar ist von Anfang an: «Aida» ist, bei allem lyrischen Glanz, eine brutale Kriegsoper, entstanden im Deutsch-Französischen Krieg 1870. Davon handelt das stumme Vorspiel mit verwirrten Menschen, die nach sich selbst und ihren Aufgaben suchen, dem künstlerischen Sinn und Zusammenhalt in der kriegsbedingt hastigen Vorbereitung auf die Aufführung der Oper «Aida». Ein bekanntes Zweierteam war in Chemnitz mit der szenischen Oberhoheit betraut worden: Bühnenund Kostümbildner André Barbe sowie Regisseur und Choreograf Renaud Doucet, seit 2000 ein Gespann. Ihnen oblag zunächst vieles: Konzept undDramaturgie, Regie, Bühne, Kostüme. Nur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Wolfgang Schreiber
Anlass, Datum und Ort waren mit Bedacht gewählt. Pünktlich zur alljährlich gefeierten Wiederauferstehung Jesu Christi, am Ostersonntag Anno Domini 1708, erlebte Georg Friedrich Händels Oratorium «La Resurrezione» seine prunkvolle Uraufführung in der ewigen Stadt. Im salone d'onore al piano nobile des Palazzo Bonelli war eigens dafür eine Bühne errichtet worden, an...
Und was ist denn die Kunst? Sie gleicht den schönen blauen flackernden Flammen, die zuweilen über dem Herd sich erheben, alles Übrige aber ist Zerstörung, Vernichtung. Dass sie bildend leuchten soll während einer tatenreichen Zeit, das ist freilich der Traum.» Betroffen vernimmt man diese Sätze, die Richard Wagner zu seiner Frau Cosima am 21. Dezember 1870 gesagt...
Kann das gut gehen? Nicht irgendeine, sondern die dänische Nationaloper als Produktion mit deutscher Textfassung auf die Bühne zu bringen? Und das so, dass der eigentümliche Wortwitz des Originals in der paarreimenden Übertragung gewahrt bleibt? In Leipzig, bei der Premiere von Carl Nielsens «Maskarade», stellt sich die Frage nach dem glücklichen Gelingen in einem...
