Das andere Geschlecht
Es ist nur ein Blick, kurz, flüchtig, beiläufig. Man könnte ihn, wäre man für Sekunden unaufmerksam oder abgelenkt, sogar übersehen. Doch Vorsicht ist geboten. In diesem Blick steckt weit mehr als eine knappe Beobachtung; eine ganze Anschauung ist darin verborgen. Und für mein Thema überaus wichtig: Es ist der Blick einer Frau, der einer anderen Frau gilt. Und keine kann derart weltverschlingend ihre Augen in andere Menschen hinein versenken wie Charlotte Rampling, so tiefliegend und hochfahrend, so durchdringend und verführerisch-vernichtend.
Das «Opfer» einer solchen Versenkung ist im konkreten Fall die von Ludivine Sagnier gespielte Julie. Aber die weiß das noch gar nicht. Oder sie nimmt es nur gelangweilt zur Kenntnis, dass sie gerade gehäckselt wird von Ramplings stahlblauen Augen. Sagnier ist Julie in diesem Film von François Ozon aus dem Jahr 2003, eine verzogene, dabei aber irgendwie verloren wirkende Verlegertochter, die ihren wohlgeformten Körper gezielt einsetzt, um Spannung, Distanz und Begehren zu erzeugen. Sarah Morton, eine englische Krimiautorin, die von Charlotte Rampling so grandios gespielt wird, dass man schon nach fünf Minuten vergessen hat, dass Sarah Morton ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 4
von Olga Myschkina
Kaum hat man dieses Buch beglückt aus der Hand gelegt, kommt dem Leser jener legendäre Satz aus Theodor Fontanes Roman «Effi Briest» in den Sinn, zu dem Effis Vater stets dann greift, wenn er unangenehmen Diskussionen mit seiner Tochter entfliehen will. Dieses oder jenes sei, so der alte Briest, doch ein «weites Feld». Oswald Panagl, beinahe drei Jahrzehnte lang...
Im April 2007 fand, schon lange überfällig, in Salzburg ein internationaler Strawinsky-Kongress statt, der einen doch leicht konsterniert zurückließ. Vergegenwärtigte er doch noch einmal die ein halbes Jahrhundert zurückliegende Kontroverse über Theodor W. Adornos «Philosophie der neuen Musik», samt ihrer Suche nach der «wahren» authentischen Moderne im Lichte der...
Herr Hilsdorf, was fällt Ihnen spontan zum Thema Heimat ein?
Ein Gedicht von Joseph von Eichendorff. «Aus der Heimat hinter den Blitzen rot, / Da kommen die Wolken her, / Aber Vater und Mutter sind lange tot, / Es kennt mich dort keiner mehr.» Robert Schumann hat die Verse vertont, im ersten Lied aus seinem Liederkreis op. 39. Das Stück steht in fis-Moll und weist...
