Editorial März 2021
Um die Welt zu verstehen, ihren Lauf, ihre wahnwitzigen Wendungen, empfiehlt sich von Zeit zu Zeit ein geneigter Blick in den Wirtschaftsteil einer seriösen Tageszeitung, sagen wir: der «SZ». Da las man Anfang Februar mit staunenden Augen, dass Hegdefonds an der New Yorker Wall Street binnen weniger Tage umgerechnet 16,6 Milliarden Euro verloren hatten, weil Finanzwetten aus dem Ruder gelaufen waren und Privatanleger die Heuschrecken-Fonds in einer konzertierten Aktion attackiert hatten.
Grund für den grotesken Angriff war der Kurs einer Videospiel-Kette mit dem zauberhaft-doppeldeutigen Namen «GameStop». 16,6 Milliarden, mein lieber Herr Gesangsverein! Nur zum Vergleich: Der bundesdeutsche Etat für Kultur und Medien beträgt für das laufende Jahr 2,14 Milliarden Euro. Ein Achtel. «Peanuts», würde Hilmar Kopper, ehemals Chef der Deutschen Bank, ausrufen. Andere Ungeister könnten darin mit leisem Spott eine Finanzspritze für die systemisch kaum relevante «Freizeitunterhaltung» vermuten. Die Wahrheit aber sieht doch etwas bunter aus: Mit diesen 2,14 Milliarden Euro, den Finanzmitteln der Länder und mit Sponsorengeldern wird etwas Lebenswichtiges bezuschusst und überhaupt erst ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Es ist nur ein Blick, kurz, flüchtig, beiläufig. Man könnte ihn, wäre man für Sekunden unaufmerksam oder abgelenkt, sogar übersehen. Doch Vorsicht ist geboten. In diesem Blick steckt weit mehr als eine knappe Beobachtung; eine ganze Anschauung ist darin verborgen. Und für mein Thema überaus wichtig: Es ist der Blick einer Frau, der einer anderen Frau gilt. Und...
JUBILARE
Yuri Simonov kam in Saratow an der Wolga zur Welt. Er studierte am Leningrader Konservatorium bei Nikolai Rabinowitsch und begann seine Karriere als Assistent Jewgeni Mrawinskis bei den Leningrader Philharmonikern. Sein Erfolg beim Dirigentenwettbewerb der Accademia Santa Cecilia in Rom 1968 bescherte ihm ein Jahr später die Einladung ans Moskauer Bolschoi...
In den vergangenen Monaten musste ich häufiger an Antonio denken. An die Worte, mit denen jenes Stück beginnt, das ihn zur Titelfigur krönt, dessen wichtigster Protagonist aber nicht der «Kaufmann von Venedig» ist, sondern sein Gegenspieler Shylock. «Ich weiß wirklich nicht, was mich so traurig macht», sagt Antonio im Gespräch mit seinen Freunden Salerio und...
