Da sind sie wieder
Die letzten Jahre haben es nicht gut gemeint mit ihnen: Rolando Villazón und Roberto Alagna schienen eher mit Krisenmanagement in eigener Sache als mit einer gesunden, ihrem Tenor-Material angemessenen Entwicklung der jeweiligen Karriere beschäftigt. Mit ihren jüngsten CD-Recitals suchen die beiden Star-Sänger nun verlorenen Boden zurückzugewinnen und ihren Rang im Opernleben neu zu definieren.
Villazón hat dafür Canzonen von Rossini, Bellini, Donizetti und Verdi ausgewählt.
Sein Programm verspricht «Treasures of Bel Canto», den impliziten Anspruch unterläuft er freilich schon dadurch, dass die Stücke nicht mit der originalen Klavierbegleitung gesungen werden, sondern durch Arrangements mit einer Art klanglichem Sfumato umhüllt und so zu kulinarischen Schlagern umgemodelt werden. Eine akustische Verpackung, die wohl nicht zuletzt die nasal verengte Stimme in einem beschönigenden Mantel wärmen soll. Kann Villazón in lyrisch-leisen Nummern wie Bellinis «Malincolia, ninfa gentile» noch wie ein Crooner Wirkung machen, so fällt es ihm in Donizettis «Una lagrima» schwer, tief liegenden Phrasen Klang zu geben – etwa der unbegleiteten langsamen Überleitungskoloratur der Reprise. Bei Verdis ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Jürgen Kesting
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