Arena der Emotionen
Als Goethe 1824 «Tancredi», Rossinis ersten Welterfolg, in Weimar sah, störte er sich an der «hohlen Prätention einer heroischen Oper»: «Wenn nur keine Helme, Harnische, Waffen und Trophäen auf dem Theater erschienen wären»! Was Cordula Däuper jetzt in Mannheim mit dem selten gespielten Stück angestellt hat, hätte Goethe wohl gefallen. Sie vertraut dem klassizistischen Geist dieser Musik, die weniger das Tor zur Romantik öffnet, als der Seria-Tradition des ausgehenden 18. Jahrhunderts huldigt, wie zuletzt Cimarosa und Paisiello sie verkörperten.
Realismus wäre da fehl am Platz.
Däuper und ihr Bühnenbildner Ralph Zeger verzichten auf eine gewaltsame Aktualisierung oder störende Bebilderung des auf einem Versdrama Voltaires beruhenden «melodramma eroico». Sie setzen vielmehr einen strengen Rahmen, der die Tragödie der Missverständnisse zwischen Tancredi und Amenaide zwar akzentuiert, das Geschehen aber ganz auf das Seelendrama fokussiert. Im Zentrum der rückwärts durch eine eiserne Wand abgeschlossenen, meist dunkel abgedimmten Bühne steht ein schwarzes Podest – eine Arena der Emotionen für den Verbannten und die Tochter des Staatsoberhaupts. Zur Tür in der Rückwand führt ein ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert
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