CLASH: Peter Sellars' Bearbeitung von Purcells «The Indian Queen»

Opernwelt - Logo

Henry Purcells «Indian Queen» ist ein Fragment. Nicht, weil der Komponist diese Form kultivieren wollte, sondern weil er, ein Frühvollendeter wie Mozart, vor der Zeit starb. Auf jeden Fall trägt, was von diesem Stück erhalten blieb, keinen ganzen Abend, allenfalls fünfzig Minuten Musik sind überliefert. Also stutzten wir, als wir die Hülle dieses Mitschnitts aus Madrids Teatro Real öffneten: zwei DVDs, über drei Stunden Spieldauer. Doch wissen wir natürlich von Peter Sellars’ Purcell-Projekt für Perm, Madrid und London (siehe OW 1/2014).

Außerdem haben wir noch im Ohr, was der Bühnenschamane aus Pittsburgh uns einmal im Gespräch sagte: «Für mich ist Theater immer gegenwärtig und antastbar; ‹historisch korrekte› Aufführungen sind Anti-Theater». So legt er auch Purcells indianische Königin aufs Streckbett zeitlos aktueller Ritualisierung.

Sellars verschiebt die Handlung virtuell eine Generation nach vorn, vom Krieg zwischen Inkas und Azteken in die Zeit der Eroberung Süd- und Mittelamerikas durch die spanischen Conquistadores, wobei es ihm vor allem um die Rolle der Frauen geht. Aber er hebt im zeitlosen Raum des Graffiti-Künstlers Gronk, der alte Hieroglyphen mit aktuellen Motiven ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Zu Unrecht?

Als Musikhistoriker freue ich mich über jede Ausgrabung, Neugier gehört zum Beruf. Die Nagelprobe auf den Brettern erlaubt es, eine Oper ganz anders kennenzulernen als durch das Lesen der Noten.

Da man aber unmöglich alles ausgraben kann, stellt sich – wie überall im Leben – die Frage der Prioritäten. Die Phrase von «zu Unrecht» vergessenen Werken hilft dabei nicht...

Was kommt...

Vorwärts
Die Zukunft des Musiktheaters will das frisch gegründete «Opera Forward Festival» (OFF) der Nationale Opera Amsterdam erkunden. U. a. steht die Uraufführung von Michel van der Aas «Blank Out» auf dem Programm. Und Peter Sellars kombiniert zwei neue Kurzopern von Kaija Saariaho.

Pour l’humanité
... lautet das Motto des Opernfestivals in Lyon. Daniele...

Geradezu unverschämt

Wenn der Autor eines Textes über klassische Musik Engländer sei, stichelte der Dirigent James Levine einmal in einem Interview, könne man das auch ohne Namensangabe sofort erkennen. An den überschwänglichen Verweisen auf Bax, Delius, Tippett oder Brian. Oder auf Holst. Oder eben auf Ralph Vaughan Williams (1872-1958).

Letzterer, dem Nicht-Briten vor allem als...