Clarté, Eleganz, Innerlichkeit
Es gibt viele Lieder, «die heute vergessen und abgetan sind», schreibt Thomas Mann 1930 in den Erinnerungen an seine Mutter und bricht eine Lanze für Eduard Lassen, «einen Musiker etwas süßlichen Geschmacks …, der es aber ein paarmal in Verbindung mit Heinrich Heine zu einer sensitiven Ironie des Ausdrucks bringt, die mir unvergesslich ist». Am Ende des 19. Jahrhunderts war Lassen ein vor allem unter Dilettanten außerordentlich geschätzter Liedkomponist. Geboren wurde der mütterlicherseits aus der jüdischen Hamburger Warburg-Familie Stammende 1830 in Kopenhagen.
Aufgewachsen ist er in Belgien, wohin die Eltern 1833 übersiedelten. 1853 kam er erstmals nach Weimar, 1857 wurde dort seine Oper «Landgraf Ludwigs Brautfahrt» uraufgeführt, 1858 wurde er Stellvertreter Franz Liszts, 1861 trat er dessen Nachfolge als Weimarer Hofkapellmeister an – eine Position, die er bis zu seiner Pensionierung 1895 behielt. Wie sein Idol Liszt war auch er ein musikalischer Weltbürger, der in seinem Schaffen französische Clarté und Eleganz mit deutscher Gewissenhaftigkeit verband. Sein umfangreiches, alle Gattungen umfassendes Œuvre, selbst die einst vielgespielte Bühnenmusik zu Goethes «Faust», ist heute ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 31
von
Ekstatisch bricht das Trommelgewitter los. Es kündet von der Geburt des Johannes. Bald schon breitet sich – von den tiefen Streichern ausgehend, durch die Instrumentengruppen wandernd, Töne und Akkorde je nach Lage in verschiedenen Farben und Intensitäten beleuchtend – ein samtener Klangteppich aus: Paradoxon statischer Bewegung. Eine gute halbe Stunde spricht...
Schon das Vorspiel erzählt das ganze, traurig aktuelle Drama. Im doppelten, dann sogar dreifachen Pianissimo der gedämpften Violinen schwebt das ätherische Liebesmotiv der Aida aus dem Graben hoch hinauf in die Ränge der Semperoper: ein metrisch instabiles, unendlich einsames und beinahe körperloses Sehnen und Hoffen, fragil und vergeblich wie die Utopie einer...
Giorgio Strehler hatte einen Traum. Er träumte von einem Theater voller Schönheit, Freude, Musik, das nur durch «kleine Spritzer von Bitterkeit» irritiert würde, die aber rasch vergessen seien. Er träumte von einem «menschlicheren» Theater, das an die Welt gebunden ist, als Ganzes, im Guten wie im Bösen, im Bemühen wie im Kämpfen. Welt und Theater sollten, so...
