Chiffren, Stereotypen

Dvořák: Rusalka
Strasbourg | Opéra national du Rhin

Opernwelt - Logo

Immer wieder diese Bilder, schwarzweiß: Ein junges Paar in der Küche, er liebkost sie, aus Zärtlichkeit wird nach und nach Gewalt, er drückt sie auf den Boden, will in sie eindringen, sie zieht ein Küchenmesser ... Nicola Raab reichert ihre Straßburger «Rusalka»-Deutung fortwährend mit projizierten Wasser-, Wald- und Wolken-Motiven an (Video: Martin Andersson). Doch diese Sequenz fällt aus der Reihe.

Sie zielt auf einen Seelenzustand der Titelgestalt in Antonín Dvořáks Oper: Rusalka sehnt sich nach Liebe, einer beseelten Nähe, die dem Elementarwesen, der Nymphe nicht vergönnt ist. Genau dieses Paradoxon fängt die gefilmte Szene ein: Der Mann stirbt in den Armen der Frau, die er liebt, die er verletzt hat. So formuliert es die Regisseurin im Programmheft,  und so versucht sie ihr Verständnis dieser Naturoper auf der Bühne zu entwickeln – in enger Verzahnung von Szene und Projektionen.

Allerdings geht das Konzept nur zum Teil auf. Die Suche nach psychologischen «Erklärungen» stößt dort an Grenzen, wo das von Jaroslav Kvapil nach einem Märchen Friedrich de la Motte-Fouqués verfasste Libretto die «psychologische Motivation» (Ulrich Schreiber) offen lässt. Was sich etwa im zweiten Akt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Visionär und Therapeut

Für 16 Musiker des Bonner Beethoven Orchesters schien es eine gewöhnliche Dienstreise zu werden, als sie im April zusammen mit ihrem Chef, Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, in die kolumbianische Stadt Medellín flogen. Doch es wurde eine Reise tief in die Vergangenheit und Gegenwart einer Metropole, die von extremer Gewalt heimgesucht wird, zu den gefährlichsten...

Editorial Dezember 2019

Seit mehr als einem halben Jahrhundert ermittelt der Deutsche Bühnenverein die wichtigsten Wirtschaftsdaten der Theater und Orchester in Deutschland. Mitte Oktober hat der in Köln ansässige Verband die jüngsten Zahlen veröffentlicht. Sie beruhen auf den Angaben von 142 Staatstheatern, Stadttheatern, Landesbühnen sowie 128 Orchestern, 199 privaten Bühnen und 85...

Öl und Eselsmilch

Ein Kriegsschauplatz irgendwo im Mittleren Osten: westliche Einsatztruppen im Gefecht mit muslimischen Guerilla-Kämpfern. Bilder, wie man sie – allerdings ohne die pseudo-ethnischen Balletteinlagen der Choreografin Rebecca Howell – weidlich aus der Berichterstattung internationaler TV-Nachrichtensender kennt. An der Mailänder Scala tauschen diplomatische Gesandte...