Ins Nichts
Das Elend dieses ganz und gar missglückten Opernabends zeigt sich ausgerechnet in seinem schönsten Moment. Da schleicht ein Plüschpuma auf die Bühne, mächtig wie ein Elefant, wild wirft er den Kopf, reißt das Maul auf und wackelt mit dem Schwanz. Warum bekommt das Vieh eigentlich keinen Szenenapplaus? Das Team der Theaterplastik hat sich selbst übertroffen, aber das Publikum ist zu sehr mit Staunen beschäftigt, zumal im rückseitig offenen Torso auch noch die beiden schwer arbeitenden Puppenspieler sichtbar werden.
Zwei Sätze, schon sitzt der bejubelte Jakub Józef Orliński dem Monster im Nacken und reitet es zum Angriff auf Babylon – oder in den nächsten Cirque du Soleil, wer weiß.
Der Puma kommt aus dem Nichts und verschwindet gleich wieder dorthin, und damit ist er das perfekte Maskottchen für Stefan Baumgartens Inszenierung, die eines vor allem ist: verschwenderisches Angeber-Theater. Auf der Bühne eine dunkle Stadtmauer mit einsamer Palme. Ein Rahmen für großformatige Kulissenprojektionen. Von der Decke saust immer wieder eine zweite Leinwand, darauf wird schon die Ouvertüre doppelt gebrochen mit einem Video, das die Entstehung eines Videos zeigt: Filmnebel, Lichtkegel, ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Clemens Prokop
In der Berliner Staatsoper sieht man fast nur noch belanglos-dekorative Produktionen. Im Alten Orchesterprobensaal dagegen, Ort für kleinere Projekte, schießt man oft übers Ziel hinaus: Hier wird auf eine Weise experimentiert, dass man sich vor allem mit Rätseln konfrontiert sieht, mit einem Überschuss an Absichten, die szenisch selten genügend Schlagkraft...
Schon sein erster Ausflug ins Reich der Operette war ein Riesenerfolg. Das 2014 veröffentlichte Album «Du bist die Welt für mich» verkaufte sich 215 000-mal. Weil sich Jonas Kaufmann auf die Jahre 1925 bis 1935 beschränkte, also auf die bronzene Ära des Genres, hatte Sony damals vor allem den deutschsprachigen Markt im Blick. Jetzt aber ist die ganze Welt die...
Der Titel der letzten Essaysammlung bringt Hans Zenders philosophisches Credo auf den Punkt: «Mehrstimmiges Denken» (Verlag Karl Alber). Musik war für diesen Anwalt einer Moderne, die Fortschritt in der kreativen Auseinandersetzung mit dem Überlieferten sucht, ein offenes Medium, das gleichermaßen Geist und Sinne, Reflexion und Erfahrung, Analyse und Intuition...
