Gespannte Normalität
Jene gesottenen Wagnerianer, die das Œuvre ihres Meisters von allen anderen Opernwelten abheben, ihm eine höhere Dimension von Geistigkeit, Philosophie, ja Quasi-Religion zuweisen, scheinen so gut wie ausgestorben, und so gehören Wagner-Premieren inzwischen zur Theater-Normalität – emphatisch gesagt: zur Normalität permanenter äußerster Anspannung aller Theaterkräfte. Angesichts der landauf, landab grassierenden «Ring»-Projekte hält sich die Erregung freilich in Grenzen.
Die vierfache Herausforderung bedeutet heute sozusagen einfach eine andere Kategorie von Routine: die einer an großen Sport- und Event-Ereignissen orientierten, auf Rekorde ausgerichteten Planungskultur. Da mit dem «Ring» der Platz musikdramatischer Großprojekte ebenso besetzt ist wie mit Goethes «Faust» derjenige des klassischen deutschen Bildungsschauspiels, haben es ähnlich aufwändige Würfe schwer. Man denke etwa an August Bungerts in Dresden uraufgeführte Tetralogie «Homerische Welt», deren Text Ulrich Schreiber über Wagners «Ring»-Dichtung stellt und deren Musik er Lortzing-Qualität zuspricht. August who? Inzwischen ist nicht einmal der Name des Schöpfers dieses um die vorletzte Jahrhundertwende ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich
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Natürlich übertreibe ich maßlos, wie immer. In Wahrheit war die Geschichte nicht besonders markerschütternd. Vor allem nicht besonders besonders. Einfach eine von denen, die manche...
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