Changierendes Spektrum
«Erst eine Kindheit, grenzenlos und ohne Verzicht und Ziel... Auf einmal Schrecken, Schranke, Schule, Frohne und Absturz in Versuchung und Verlust.» War es eine düstere Vorahnung, die den jungen Bernd Alos Zimmermann dazu brachte, Rainer Maria Rilkes «Imaginären Lebenslauf» zu vertonen? Die Klavierlieder des Komponisten, der 1970 freiwillig aus dem Leben schied, haben keinen festen Platz im Repertoire gefunden. Selbst in der neuen Ausgabe von Reclams «Liedführer» wird Zimmermann nur kursorisch als Komponist von sieben Liedern erwähnt.
Umso verdienstvoller, dass die Firma Wergo mit DeutschlandRadio als Koproduzenten erstmals die elf zwischen 1939 und 1946 entstandenen Lieder zugänglich macht. Diese frühen Lieder haben den Charakter intimer und desperater «Gefühlsmitteilungen» in einer «neuromantischen Tonsprache», die, wie Heribert Henrich (Herausgeber des Zimmermann-Werkverzeichnisses) in seinen vorzüglichen Annotationen ausführt, an Max Reger erinnert.
In Anna Prohaska, Absolventin der Berliner «Hanns Eisler» Hochschule für Musik, finden sie eine sensible und suggestive Interpretin. Cordelia Höfer ist eine exzellente Klavier-Partnerin. Dem lyrischen Sopran der 28-jährigen ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 23
von Jürgen Kesting
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Die Vermessung des Opernkontinents Jean-Baptiste Lully ist abgeschlossen: 24 Jahre nach William Christies bahnbrechender Einspielung des «Atys» liegen mit Christophe Roussets Aufnahme des «Bellérophon» nun endlich alle 13 Tragédies lyriques auf CD oder DVD vor, die der Surintendant de la musique ab 1673 für den Hof des Sonnenkönigs schuf. Dass «Bellérophon» am...
Eine gute Oper zu komponieren, dürfte kaum je so schwer gewesen sein wie im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Zwischen Gluck und Mozart, dem deutschen Singspiel und der französischen Revolutionsoper gelang es kaum einem der zahlreichen Hofkomponisten, die oft noch mit den Formmodellen der späten Opera seria groß geworden waren, zu einem markanten...
